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Atmosfear DVD Brettspiel
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 23.02.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Parker Spiele, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 49,99 Euro


Schaurig-schönen Gruselspaß verspricht Parkers Atmosfear und dazu sollen sich drei bis sechs Personen vor dem Fernseher versammeln, eine DVD einlegen und anschließend sechs Schlüssel sammeln, zur Pforte des Grauens vordringen, sich seiner größten Angst stellen und damit das Spiel zu gewinnen.

Die große Box enthält neben viel Luft das ordentlich gestaltete, wenn auch sehr bunte Spielmaterial. Sechs individuelle Spielfiguren wie eine Fledermaus in rot, stellvertretend für Elizabeth Bathory, oder ein Wolfskopf für den Werwolf Gevaudan, sind neben zahlreichen Spielkarten, einem stabilen Spielbrett, zwei Würfeln und Schlüsselbretter sowie Schlüssel aus Plastik enthalten. Besonders gelungen ist die Pforte des Grauens, ein verschließbares Plastikschälchen mit passenden Motiv: zwei Skeletten. Dazu noch eine etwa DinA3 große Anleitung in schwarz-weiß und eine DVD in Papphülle. Nach dem Spiel findet alles seinen Platz in der Box wieder und so wendet man sich den Regeln zu.

Das ärgerlichste an der Papieranleitung ist eigentlich, dass sich erst am Ende ein Hinweis befindet, dass die DVD eine animierte Anleitung enthält, anstatt diesen Hinweis vorweg zu tätigen. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass mit dem Abspielen der DVD das Spiel beginnt und man nicht Stopp oder Pause drücken darf... Die Papieranleitung vermittelt die Regeln, die allerdings alle vorher kennen sollten, knapp und zumeist eindeutig. Sehr empfehlenswert ist die animierte Anleitung auf DVD, es braucht nur 7 Minuten Aufmerksamkeit und jeder weiß Bescheid - das geht deutlich schneller als die Papieranweisung.

Der Torwächter, die interaktive Person, die der DVD-Player darstellt, ist der Gastgeber des Spiels, indem jeder Mitspieler die Rolle einer Gruselgestalt annimmt, die im Sündenpfuhl schmort und wieder hinaus will. Nachdem das Spiel startet, hat man rund 49 Minuten Zeit, dies vor allen anderen zu erreichen.

Das Spielbrett besteht aus einem äußeren Ring mit zahlreichen Aktionsfeldern, einem inneren Ring ohne Aktionsfelder mit Zugang zur Pforte und zahlreichen Verbindungsstegen zwischen beiden. Der äußere Ring ist unterteilt in die Herrschaftsbereiche der bis zu sechs Mitspieler und jeder bekommt seinen eigenen Startgrabstein. Von da aus geht es los reihum. Bewegen darf man sich, indem man ein oder zwei Würfel wirft und versucht nun auf das Schlüsselfeld jeden Bereichs zu kommen, um alle Schlüssel einzusacken. Aber es gibt auch Duellfelder, um anderen ihre Schlüssel abzunehmen sowie zwei Arten Aktionskarten. Schicksalskarten treten sofort ein und haben z.B. die Entfernung von Schlüsseln (sechs jeder Farbe stehen anfänglich zur Verfügung, die schnell reduziert werden) zur Folge, man darf eine Aktion gegen einen Gegenspieler machen oder muss aussetzen. Die Zeitkarten werden zu bestimmten Zeiten aktivieren und bewirken oft ähnliches wie die Schicksalskarten, meist zum Vorteil des Spielers. Aber auch besondere Aktionen sind hier zu finden, z.B. zu einer bestimmten Zeit "Stopp!" zu schreien, andere Spieler dadurch zu erschrecken und damit einen Vorteil zu erlangen, sich etwa einen Schlüssel des erschreckten Spielers nehmen zu dürfen.

Sind alle sechs Schlüssel beisammen, darf man in den inneren Ring vordringen und versuchen zur Pforte des Grauens zu gelangen. In der Schale hat jeder Mitspieler seine Angst gelegt, die es nun gilt zu ziehen und damit zu gewinnen.

Das ganze wäre natürlich ziemlich einfach, wären da nicht die ständigen Unterbrechungen des Torwächters. Regelmäßig unterbricht er kurz das Spiel, beleidigt tüchtig die Spieler ("Ihr elenden Würmer") und gibt Anweisungen, über die der "Auserwählte" wacht. Das kann die Verbannung in ein schwarzes Loch sein, aus dem man sich herauswürfeln muss, die Abgabe von Schlüsseln oder andere Aktionen. Wird man selbst angesprochen, muss man immer mit "Ja, mein Torwächter" antworten oder muss ebenfalls ins schwarze Loch.

Dadurch spitzt sich das Spiel gegen Ende zu. Während anfangs häufig Schlüssel verloren gehen, verteilt er sie gegen Ende großzügig, um es auf ein Finale zuzuspitzen.

Das Spiel lebt natürlich von seiner Interaktion. Regeldiskussionen sind nicht möglich, schließlich läuft die Zeit weiter. Regelzwistigkeiten muss so schnell der Auserwählte schlichten. Wenn man voll im Spiel aufblüht, haben eigentlich alle Mitspieler einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend, ganz unabhängig von den Würfelwürfen.

Natürlich hat das Spielprinzip auch manche Schwäche. So haben drei Mitspieler einfach bessere Chancen als sechs. Neben mehr Zügen erwartet sie am Tor eine Chance von 1 zu 3 (also 33%), dass die eigene Angst gezogen wird, bei sechs Mitspielern hingegen beträgt die Wahrscheinlichkeit eins zu sechs (17%) bei deutlich weniger Zügen. Auch sollte man beim Spielen nicht zu sehr bummeln, sondern immer schnell die Würfel kreisen lassen.

Die Altersempfehlung ab 12 Jahren ist ein wenig jung, eher zwischen 14 bis 16 Jahren scheint mir das rechte Alter zu sein. Im ein oder anderen Erfahrungsbericht zur alten Videoversion steht geschrieben, dass man es als Kind noch gar nicht richtig begriff, warum der Mann im Fernseher einen da ständig beleidigt...

Die Idee zu diesem Brettspiel ist dementsprechend alles andere als neu, schon vor vielen Jahren ist die Videoversion alt. Diese alte Version wird aber optimal ergänzt von den individuelleren Möglichkeiten der heutigen Technik. So ist der Ablauf der DVD nicht starr, sondern sequentiell aufgebaut, so dass es immer einige kleine Änderungen ergibt.

Die DVD selbst ist gut gestaltet. Der Torwächter, der gewisse Ähnlichkeiten zum Imperator aus Star Wars besitzt, ist gut besetzt und im Hintergrund sind ansprechend digitalisierte Bilder, auch wenn sie oft eher wie ein Computerspiel aussehen. Während die Uhr läuft, ertönt passende Hintergrundmusik. Während der Schauspieler tatsächlich auch auf Deutsch vor Bluescreen produziert hat, also nicht synchronisiert wurde, wurde der Hintergrund einmal digitalisiert. Das birgt doch vor gehobener Qualität, statt es wie in manchem günstig produzierten Clip alles andere als lippensynchron zu synchronisieren.

Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei knapp unter 50 Euro, häufig sieht man das Spiel aber auch im Angebot ab ca. 30 Euro, wobei man für letzteres in jedem Fall ein adäquates Spiel erhält. Als kleines Gimmick lag meiner Box ein Packung Magic "Verräter" mit 15 Karten bei, welches aber ohne Basisspiel nur zum Anschauen taugt.

Fazit: Ein unterhaltsames, kurzweiliges Spiel, mit viel Spielspaß, wenn man bereit ist, etwas aus sich herauszugehen und sich auf die Idee einzulassen. Bei wiederholtem Spiel mit dem gleichen Personenkreis nutzt sich allerdings die Idee und damit der Spielspaß schnell ab.




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