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Heroscape
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 25.01.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: MB-Spiele, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 72,99 Euro


Bei Heroscape handelt es sich um ein 3-dimensionales taktisches Kampfspiel. Zwei bis vier Spieler kämpfen mit ihren ausgewählten Armeen gegeneinander oder müssen bestimmte Aufgaben erledigen.

Die innere Schachtel bekommt man kaum aus der äußeren Umverpackung heraus. Der Grund wird schnell klar: die Schachtel ist randvoll mit Spielmaterial. Als erstes fallen die 30 - wohl eingebetteten - Figuren auf. Sie sind aus stabilem Kunststoff und farbig bemalt. Keine gleicht der anderen. Sie sind sehr detailreich und stehen auf einem festen Sockel. Auf den ersten Blick verwundert nur die Zusammenstellung etwas: da gibt es Agenten, Kampfroboter, Wikinger, Orks, Soldaten, einen Drachen usw.. Der Grund dafür liegt in der Story und in den vielen Möglichkeiten, die dadurch entstehen. Dies stört beim Spielen überhaupt nicht, sondern macht es sogar noch interessanter. Weiterhin gibt es eine große Anzahl von Spielfeldteilen unterschiedlicher Größe und Farbe (für Gras, Fels, Sand und Wasser). Diese sind aus äußerst robustem Plastik und lassen sich sehr einfach zusammenstecken und stapeln. Dadurch entsteht jedes mal ein anderes, dreidimensionales und realistisch wirkendes Spielfeld. Wenn man genauer hinschaut stellt man sogar fest, dass jedes einzelne der sechseckigen Spielfelder auf der Oberfläche unterschiedlich gestaltet ist. Das weitere Material besteht aus zwei Ruinen, mehreren Spezialwürfeln, verschiedenen Markern und Armeekarten. Auf den Armeekarten sind ein oder mehrere zusammengehörende Figuren aufgeführt, mit allen dazugehörigen Werten und Spezialfertigkeiten. Beide Seiten sind bedruckt. Auf der einen Seite gibt es nur ein paar Grundwerte für das Basisspiel, die andere Seite ist für das Masterspiel vorgesehen und wesentlich ausführlicher. Insgesamt ist das Material absolut Spitze und alleine schon das Geld wert. Zwar ist es komplett aus Kunststoff und passt nie mehr vollständig in die ursprüngliche Schachtel hinein, aber dies nimmt man gerne in Kauf.

Die Spielanleitung ist ungefähr im DIN-A4-Format und durchgängig in Farbe. Sie ist gut strukturiert und mit vielen Beispielen versehen. Sie ist in drei Bereiche unterteilt: Das Basisspiel, das Masterspiel und die Szenarien. Leider gibt es, wie auch auf den Armeekarten, einige Übersetzungsfehler. Diese kann man aber meist, genauso wie ungeklärte Regelfragen, durch Absprache mit den Mitspielern und durch Logik gut in den Griff bekommen. Zusätzliche Hilfe leisten die Internetseiten www.heroscape.de und www.heroscape-fan-seite.de.

Sowohl im Grundspiel als auch im Masterspiel muss erst mal das Spielfeld aufgebaut werden. Dafür kann man eines der fünf vorgefertigten Szenarien auswählen und nach der dortigen Anleitung die Spielfeldteile zusammensetzen. Das funktioniert sehr gut und nach etwas Übung zügiger als erwartet. Außerdem macht das alleine schon viel Spaß.
Im Grundspiel gibt es vorgefertigte Armeezusammenstellungen. Man sucht sich die entsprechenden Figuren und die dazugehörigen Armeekarten heraus und legt sie vor sich ab. Die Figuren werden gemäß den Szenariovorgaben auf dem Spielfeld platziert. Außerdem werden die 10 Kampfwürfel benötigt. Das restliche Material wird nicht gebraucht. Wer am Zug ist, führt nacheinander drei Schritte aus: Eine eigene Armeekarte wählen, entsprechende Figur(en) bewegen und angreifen. Wie weit eine Figur sich bewegen darf ist auf der Armeekarte angegeben, ebenso die Werte für "Reichweite", "Angriff" und "Verteidigung". Dabei spielt das Gelände immer eine wichtige Rolle. Zum Beispiel sind Höhenunterschiede und Wasserflächen zu berücksichtigen. Das hebt das Spiel von anderen ab und verleiht ihm einen entsprechenden Realismus. Entscheidet sich ein Spieler zum Angriff, wenn es denn möglich ist, kommen die Kampfwürfel ins Spiel. Wie viele Würfel geworfen werden , richtet sich nach den Werten auf den Armeekarten und nach anderen Einflüssen. Je mehr Würfel, desto größer die Chance für einen Sieg. Bei entsprechendem Würfelpech kann es aber zu mancher Überraschung kommen, und ein kleiner Wikinger besiegt dann auch schon mal den großen Drachen mit einem Schlag. Dieser Glücksanteil kann im schlechtesten Fall das Spiel frühzeitig entscheiden. Dadurch wird es aber gleichzeitig spannender, reizvoller und weniger berechenbar, und jedes Spiel ist anders. Die besiegte Figur wird vom Spielfeld genommen. Sind alle Figuren eines Spielers besiegt oder ist ein bestimmtes Szenarioziel erreicht, endet das Spiel.
Durch das Grundspiel findet man einen schnellen Einstieg zu Heroscape. Leider wirken hier die Armeen etwas unausgewogen. Das Grundspiel ist gerade für jüngere Spieler und Gelegenheitsspieler gut geeignet.
Das Masterspiel erweist sich noch mal um ein vielfaches raffinierter und somit taktischer. Zuerst können sich die Spieler ihre eigene Armee frei zusammenstellen, was viel Spaß macht und manchmal gar nicht so einfach ist. Man muss darauf achten, welche Figuren zusammenpassen und welche Fähigkeiten sie haben, und dabei sollte man das Gelände sowie das Szenarioziel im Auge behalten. Im Spiel sind bei den Armeen die Größe der Figuren, die besonderen Fähigkeiten, die Trefferzone, der Zielpunkt, die Lebenspunkte und der Wert der Karte von weiterer Bedeutung und machen das Spiel erst richtig interessant und spannend. Zusätzlich kommen Ablaufmarker, Wundenmarker, Glyphen und ein 20-seitiger Würfel zum Einsatz. Mit den Ablaufmarkern muss jeder Spieler zum Beispiel vor jeder Runde festlegen, mit welchen Armeen er in welcher Reihenfolge handeln will. Das will gut überlegt sein und erfordert vorausschauende Planung und eine gute Taktik. Die Glyphen sind Orte auf dem Spielfeld, die demjenigen, der sie besetzt entscheidende Vorteile bringen können.

Da es sich bei Heroscape um eine fiktive Welt handelt und man mit Fantasyfiguren spielt, wird der anfänglich martialisch wirkende Hintergrund zum Glück schnell vom Spielspaß überdeckt. Die vorgegeben Szenarien sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Sind sie ein- oder mehrmals durchgespielt, kann man auch eigene Landschaften entwerfen und sich eigene Szenarien ausdenken, so dass langer Spielspaß garantiert ist. Zusätzlich gibt es schon die ersten Erweiterungen, und es können mehrere Spiele miteinander kombinieren werden.

Fazit:
Heroscape besticht in erster Linie durch sein hervorragendes Material. Die Spielfeldsteine sind perfekt modelliert und einfach aufzubauen. Die Figuren sind sehr stimmungsvoll und detailliert gestaltet. Durch den variablen Spielplan, die selbst definierbaren Szenarienziele und die individuelle Zusammenstellung der Armeen bietet das Spiel viel Abwechslung, und die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Aber auch das Spiel selbst weiß zu überzeugen, wobei es nicht unbedingt jedermanns Sache ist.




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