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Das Silmarillion
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 21.12.2005, Serie: Auditorium, Autor(en): Sprecher: Joachim Höppner, Verlag: Der Hörverlag GmbH, Seiten: , Erschienen: 2005, Preis: 44,95 €


Am Anfang war Eru, der Eine, der in Arda Ilúvatar genannt wird, und er schuf die Ainur, die Sprößlinge seiner Gedanken, auf dass er ihnen seine Melodien lehren konnte. Denn aus diesen Melodien entstand Ea, "die Welt, die ist" – und damit jene faszinierende Bühne, auf der später der verhängnisvolle Krieg um den "Einen Ring" toben sollte.

"Das Silmarillion" ist eine Sammlung von Mythen, Legenden und historischen Abrissen, die John R. R. Tolkien als Grundlage für seinen berühmten Roman "Der Herr der Ringe" schuf, und die zugleich den tiefen Graben markiert, der sein Werk von dem Schaffen der unzähligen Epigonen trennt. Wer sich in das Silmarillion vertieft – namentlich in die Bücher Ainulindale, Valaquenta, Quenta Silmarillion, Akallabêth und das Buch vom Dritten Zeitalter –, der erkennt, wie tiefgründig und ausgefeilt Tolkiens Weltenentwurf ist. "Der Herr der Ringe" bezieht seine einzigartige Stimmung, seine kraftvolle Atmosphäre aus diesem Reichtum an Geschichte und Mythologie, der wiederum den Geist irdischer Geschichte und irdischer Mythologie atmet. Der Philologe Tolkien hat gleichsam ein Konzept irdischer Epen entworfen und dieses auf eine andere, eine phantastische Ebene gehoben. Die unzähligen Notizen, die er vor, während und nach der Niederschrift des "Herrn der Ringe" anfertigte, wurden dabei erst nach seinem Tod herausgegeben. Tolkiens Sohn Christopher sammelte und ordnete die fiktiven Quellen und brachte sie in jene Form, die wir heute kennen; und wer sich mit dem "Herrn der Ringe" ausgiebiger beschäftigen will, kommt deshalb am Silmarillion nicht vorbei. Er sollte nur beachten, daß man dieses Buch anders lesen muß als einen Roman; in Form und Sprache erinnert es mehr an die Edda, an das Gilgamesch-Epos und nicht zuletzt an die Bibel. Der Schöpfungsmythos, mit dem die Ainulindale eingeleitet wird, zeigt dies in besonders eindrücklicher Weise: Hier steht am Anfang der Welt nicht das Wort, sondern die Melodie, und das gemeinsame Lied der Ainur (mitsamt den Missklängen der Luzifer-Figur Melkor) formt die Welt in ihrer ganzen Pracht. Die sprachliche Schönheit ist dabei sowohl im englischen Original wie auch in der Übersetzung von Wolfgang Krege faszinierend.

Um so schöner ist es, daß der hörverlag eine Hörbuchfassung des Werks herausgebracht hat. Auf dreizehn CDs liest der Schauspieler Achim Höppner (der in der deutschen Fassung des "Herrn der Ringe" den Gandalf spricht) die Mythensammlung ungekürzt ein und ermöglicht so einen neuen Zugang zu Tolkiens Weltenentwurf. Höppner erweist sich als gute Wahl; seine Stimme hat das nötige Timbre und die nötige Ruhe, um Tolkiens Sprache gerecht zu werden, und so kann man sich ganz in die Erzählungen vertiefen. Diese hier im Einzelnen wiederzugeben wäre unmöglich; zu groß ist der Bogen, den Tolkien mit seinem Silmarillion spannt – von der Erschaffung Eas über die Kriege der Ainur, von dem Erscheinen der Menschen bis zum Kampf gegen Sauron. Immer wieder ergeben sich Bezüge zum "Herrn der Ringe", und einzelne Personen – zumeist Elben – tauchen in den mythischen Erzählungen auf. Diese oft ruhigen, getragenen Texte lassen sich dabei meiner Meinung nach in der hier vorliegenden Form besonders gut aufnehmen; einfach zurücklehnen, die Augen schließen und Achim Höppners Stimme lauschen, der einen in die fernen Zeitalter vor dem großen Ringkrieg entführt …

Die Ausgabe des hörverlags ist zudem ein wahres Schmuckstück, kein verspätetes Merchandising-Produkt zur Filmtrilogie. In einer festen, im gediegenen Rot gehaltenen Pappschachtel liegen die dreizehn CDs in Papphüllen, allesamt mit Saurons feuerrotem Auge und dem Ringemblem versehen – eine schöne und unaufdringliche Gestaltung. Das üppige Booklet führt in das Leben J. R. R. Tolkiens ein und bietet ein hilfreiches Namensverzeichnis, eine kleine Karte vom Reich der Noldor sowie mehrere Stammtafeln – ideal zur Orientierung! Hier haben sich die verantwortlichen Produzenten ganz offensichtlich Gedanken gemacht, wie man das Silmarillion in angemessener Form präsentiert – und diese Liebe zum Detail zahlt sich aus!

Fazit: Ein hervorragend produziertes Hörbuch, das jedem Tolkien-Fan wärmstens empfohlen werden kann – und vielleicht der schönste Weg, sich die Geschichten des Silmarillions anzueignen.




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