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Race to Berlin
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 23.11.2016, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Krzysztof Dytczak, Verlag: Leonardo Games, Seiten: -, Erschienen: 2015, Preis: 39 €


Als Historiker liebt man historische Brettspiele. Dabei ist es egal, ob es Strategiespiele, Miniaturenspiele oder Ratespiele sind. Sobald das Motto historisch ist, muss das Spiel angeschaut und nach einem positiven Urteil erworben werden, wer weiß, wozu es schlussendlich gut ist.

So ungefähr war mein Gedankengang, als ich das Spiel "Race to Berlin" vom polnischen Verlag Leonardo Games gesehen habe. Ein kurzes Gespräch mit dem Autoren, der mir einiges an Hintergrundinformationen lieferte, unter anderem, dass man das Spiel gemeinsam mit einem Museum über den 2. Weltkrieg und einigen Historikern erstellt hat, überzeugten mich komplett. Das Ziel des Spiels ist dabei im Namen zu finden. Man muss das Rennen nach Berlin gewinnen. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Autorennen für zwei Spieler, sondern um das Vorrücken der Roten Armee beziehungsweise der Amerikaner am Ende des 2. Weltkriegs in Richtung Berlin.

Damit sind die Voraussetzungen klar. Ein Spieler schlüpft in die Rolle des Kommandeurs der Roten Armee, eine weiterer in die Rolle des Kommandeurs der Amerikaner. Ziel ist es die Frontlinie immer weiter Richtung Berlin zu ziehen und schließlich das innerste Feld der Stadt vom letzten Widerstand der deutschen Einheiten zu befreien. Das Ganze muss in drei Runden zu ca. 50 Minuten pro Runde geschehen, ansonsten gewinnt der Spieler, der mehr Siegpunkte auf seinem Weg Richtung Berlin gesammelt hat.
Werfen wir zuerst einen Blick in die Box. Ein großes Spielbrett, welches Deutschland im Jahr 1945 mit seinen damaligen Grenzen und den Positionen seiner militärischen Einheiten zeigt. Die Ausgangspositionen der Spieler werden ebenfalls angezeigt und so herrscht zu Beginn jedes Spiels dieselbe Grundaufstellung. Das kann man ohne Blick ins Regelheft, welches mit nur 12 Seiten, mit Regeln in Polnisch und Englisch auskommt. Ein zweites Regelheft beschreibt historisch korrekt den historisch dokumentierten Verlauf des Rennens nach Berlin. Daneben finden wir in der Box vier Würfel, einen Beutel mit Holzstangen (Frontlinienanzeiger), Holzwürfel (Aktionswürfel) und Holzquader (Logistikblöcke) in den Farben blau und rot. Darunter gibt es Aufkleber mit den Zahlen zwei bis fünf, die man vor Beginn des Spiels auf eine Seite des Quaders kleben muss. Zu guter Letzt bleiben noch viele Spielmarker mit Einheiten, Siegpunktmarkern und Spezialbewegungen, die es zu befreien gilt. Hier sei angemerkt, dass man diese Marker etwas vorsichtiger aus den Kartonbögen befreien muss, sonst hat man leichte Einrisse an den Markern und kann unter Umständen die Aufdrucke weniger gut lesen.
Hat man alles vorbereitet und seine Einheiten inklusive Frontlinienanzeiger positioniert, darf in der ersten Runde immer der Spieler der Roten Armee beginnen. In der zweiten dann der Spieler der Amerikaner und in der letzten Runde der Spieler mit den meisten Siegpunkten.
Fangen wir einfach an. Das Spiel hat genau drei Phasen: Die Logistikphase, die Aktionsphase und die Strategische Bewegungsphase. Den Anfang macht die Logistikphase. In dieser positioniert man seine Logistikblöcke, die mit den Zahlen von zwei bis fünf, umgedreht bei seinen Einheiten und ermöglicht diesen dann in der Aktionsphase zu kämpfen.
In der Aktionsphase haben die Einheiten und der Spieler beim Aktionsblock dann so viele Aktionen, wie Punkte auf dem Block stehen. Zur Übersichtlichkeit erhält man nach dem Umdrehen die Aktionswürfel. Hier gibt es drei mögliche Aktionen. Einheit oder Logistikblock bewegen, Angriff oder Logistikblock vom Spielfeld entfernen. Bewegungen von Einheiten und Logistikblöcken kosten keine Aktionswürfel, es gelten dennoch einige Einschränkungen: Es dürfen nie mehr als drei Einheiten und nur ein Logistikblock auf einem Feld stehen, der Logistikblock muss bei einer eigenen Einheit stehen und man darf nur befreundete Felder betreten ohne vorher zu kämpfen.
Mit der Bewegung verschiebt sich auch die Front nach vorne auf Berlin zu.
Ein Angriff verläuft recht simpel: Man wählt das Feld, von dem aus der Angriff auf ein feindliches Feld erfolgt und entscheidet, ob man einen Aktionswürfel oder zwei einsetzt. Bei zwei wird der Wert des Logistikblocks verdoppelt. Das kann häufig über Sieg und Niederlage entscheiden. Die Gegenseite wird dann vom gegnerischen Spieler befehligt und auch der kann, wenn vorhanden, einen Logistikwürfel, einsetzen, um den Logistikblock, falls vorhanden, zu aktivieren. Anschließend werden die Logistikblöcke aufgedeckt und der eigentliche Kampf beginnt. Man addiert alle nötigen Werte zusammen, offenbart Spezialmanöver und würfelt zwei Würfel. Diese zwei Würfel symbolisieren den Zufall, der eben auch eine wichtige Rolle spielt. Der Verlierer muss eine Einheit um eine Stärke reduzieren, fällt die Stärke auf 0, muss diese Einheit entfernt werden. Gleichzeitig muss sich die Unterlegene Einheit zurückziehen. Ist ein Rückzug nicht möglich, etwa weil der Rückweg abgeschnitten ist, werden alle Einheiten inklusive Logistikblock aus dem Spiel entfernt. Zum Ende des Angriffs ziehen die angreifenden Einheiten in das nun leere Feld hinein und der Spieler erhält Siegpunkte. Die Spezialaktionen sind hierbei stets im Auge zu behalten. Acht Stück stehen zur Auswahl und bieten Unterstützung durch Luftangriffe, Logistik, Gegenangriff und Reserveeinheiten. Ruhig häufig darauf zugreifen und mehr Siege davontragen.
Im Prinzip war das die zweite Phase. In der dritten Phase können die Spieler eine eigene Einheit und eine deutsche Einheit bewegen und in eine gute Ausgangslage für die nächste Runde bringen.
Es gilt eines zu beachten, Einheiten müssen immer eine direkte Verbindung zu ihrer Versorgungsbasis haben. Wird diese durch einen erfolgreichen Angriff unterbrochen, sind alle Einheiten verloren.
Auch Berlin ist eine Besonderheit, denn Berlin besteht aus fünf einzelnen Feldern, die aber alle als nebeneinanderliegend gelten. Die Armeen dürfen aber nur die äußeren Felder ihrer Frontlinie betreten und natürlich die Mitte Berlins, das Ziel des Spiels. Der erste Spieler, der die deutschen Einheiten dort besiegt und auf das Feld zieht, hat gewonnen. Gelingt dies nicht in den drei Runden, gewinnt der, der die meisten Siegpunkte hat. Gleichzeitig verliert ein Spieler, wenn er keine Aktionswürfel zur Verfügung hat, wenn er welche abgeben müsste.

Soviel zu den Regeln, die man wirklich schnell verstanden hat und anwenden kann. Kommen wir zum Spielspaß: Der ist tatsächlich in den ersten Partien vorhanden, denn das Kennenlernen des Spiels und das Ausprobieren der unterschiedlichen Strategien haben einiges zu bieten. Leider verliert man aufgrund der Spieldauer nach einigen Partien doch etwas an Lust, denn schlussendlich wiederholt man immer dasselbe Spiel und kann nur einige neue Manöver und Strategien ausprobieren, die dann vielleicht aufgrund eines schlechten Würfelwurfes doch wieder scheitern. Ich hätte mir hier weniger Zufall und mehr Manöver und Strategiemöglichkeiten gewünscht. Es ist fraglos ein gutes Spiel, dafür sorgen die Regeln, aber ein paar optionale Regeln hätten da vielleicht gutgetan. Sehr gelungen finde ich die historischen Informationen zum echten Rennen nach Berlin. Vielleicht hätte man dort ein paar Optionale Regeln abschauen können, wie zum Beispiel Karten für das Durchwinken von Einheiten oder ähnliches.

Fazit: Race to Berlin ist ein gutes Spiel mit einfachen Regeln. Strategiespieler werden sicher viel Spaß daran haben, für mich bleibt der Zufall aber ein zu großer Begleiter und mir fehlen außerdem ein paar optionale Regeln zum Ändern des immer wiederkehrenden Ablaufs. Bis auf diese Kritikpunkt habe ich nichts zu meckern und freue mich auf neues Material von Leonardo Games.




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