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Die Grüne Fee – Geschichten aus Eis und Dampf
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 18.08.2016, Serie: Belletristik, Autor(en): Judith C. Vogt, Mia Steingräber, Christian Vogt und Tobias Rafael Junge, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 60, Erschienen: 2016, Preis: 3,50€


Vor einiger Zeit hatte ich die Chance, den Roman "Die zerbrochene Puppe" und das Rollenspiel-Setting Eis & Dampf zu rezensieren und ich war begeistert. Seitdem warte ich auf den zweiten Roman und auf weiteren Fluff für das Rollenspiel und mehr Input über die eisige Alternativwelt.

Mein Warten hat ein Ende, denn die Co-Autoren der Familie Vogt haben sich mit zwei weiteren Autoren zusammengetan und es irgendwie geschafft, ihren Verlag, Feder&Schwert, davon zu überzeugen, ein Groschenheft für Rollenspiel und Roman herauszubringen. Groschenhefte sind seit vielen Jahren äußerst erfolgreich und neben Horror, Liebe und Scifi ist richtiger Steampunk sicher nicht auf verlorenem Posten. Trotzdem ist es eine mutige Entscheidung. Ob es eine gute Entscheidung war, das allein kann der erste Band des Groschenhefts "Die grüne Fee" mit seinen sechs Kurzgeschichten zeigen.

Das Cover ist auf alle Fälle ein Augenschmaus und macht Lust auf mehr. Das Vorwort wird dann hochprozentig, stellt es uns doch Absinth vor und erst danach den Hintergrund dieses Groschenheftes und der Welt, für die dieses Heft erscheint.
Gleich im Anschluss folgt die erste Geschichte, "Lotte" von Mia Steingräber und Tobias Rafael Junge, welche mit einem exzellenten Bild eingeleitet und von weiteren Bildern begleitet wird. Die Geschichte entführt uns nach London und mitten hinein in eine Geschichte, die uns allen bekannt vorkommen wird. Ein Mörder macht Jagd auf Prostituierte. In die Jagd auf den Mörder wird das Medium Lethe und ihre Begleiterin Lotte von einem Polizisten hineingezogen. Die Morde, der Polizist und Lethe/Lotte verbindet dabei mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat und das Ende erst…
Im Anschluss an die Geschichte folgt Werbung. Das zu erwähnen, lohnt nur, weil die gesamte Werbung im Groschenheft absolut passend gewählt worden ist. Es werden nämlich nur steampunknahe Dinge beworben und auch noch deutlich auf steampunkige Weise. Klasse Idee!
Die nächste Geschichte, "In 80 Tagen durchs ewige Eis" von Christian und Judith Vogt, spielt in der Mongolei, am Hof des Großkhans. Die Reporterin Nelli Blei ist bei Kollegen respektiert und begleitet einen gewissen Herrn Iko auf dessen Reise durch die bekannte Welt, um von eben dieser Reise zu berichten. Am Hofe des Großkhans erzählt sie von den bisherigen Abenteuern, ohne zu wissen, dass das größte Abenteuer und die Enthüllung, wer hinter Herrn Iko steckt, erst noch bevorsteht, wenn der Großkhan sie in seine eigenen Pläne einweiht. Auch hier überzeugen die Geschichte und die Bilder.
In "Der Schlüssel", von Mia Steingräber und Judith Vogt, spielen ein bekannter Pirat, eine Frau und ein Kind die Hauptrolle. Eines Abends bekommt ein Junge Besuch von einem Luftpiraten namens Abel. Dieser erzählt ihm von seinem wahren Vater und dessen Spiel mit seiner Mutter, in dem ein Schlüssel und ein Amulett eine große Rolle einnehmen. Allabendlich erzählt Abel dem Jungen Geschichten über seinen Vater und seine Mutter. Das Ziel ist der Austausch von Schlüssel mit Amulett. Abel bekommt aber am Ende mehr, als er will - eine gelungene Geschichte mit einigen tollen Momenten, insgesamt aber schwächer als die vorherigen.
"Männerballett" von Christian Vogt zeigt uns die Abgründe der Welt von Eis & Dampf, wo selbst Mord ein probates Mittel der Unterhaltung und des Lebensunterhalts ist, aber auch jeder Mörder noch Ehre besitzt - eine kurzweilige Geschichte mit überraschendem Anfang und Ende.
Der "Hansespiegel" liefert uns danach einen Zeitungsartikel, der es in sich hat: knappe Aufhänger am Anfang und dann eine Reportage über das Waldorf-Astoria in Hamburg. Eine Reportage, die nicht nur zwei Reporter in Teamarbeit sondern auch eine heiße Diskussion zwischen und neben den Zeilen liefert und uns gleichzeitig auf spannende Weise zeigt, welche Mittel man einsetzen muss, um als Entdecker in die Geschichte eingehen zu können - absolut unterhaltsam und auf seine Art frisch.
"Das Mädchen auf dem Eis" ist dann wieder eine typische Steampunkgeschichte, die den Blick auf die Ärmsten der Armen und deren Kampf ums Überleben richtet. In diesem Fall ist die Ärmste der Armen Irmchen, die mit Ratten zusammen in einem Loch lebt und nur durch Hilfsarbeiten auf dem Friedhof etwas zum Überleben verdient. Dieses Irmchen hat, weil der eigentliche Helfer krank ist, die Chance, eine richtige Beerdigung zu begleiten und da bieten sich ihr Gelegenheiten, die sie sonst nie bekommen hätte. Schlussendlich verliert sie dann aber einen Schatz, um einen anderen zu erhalten: ein fairer Tausch und ein gelungener Abschluss des ersten Bandes.

Mutig war es und nicht nur gut sondern sehr gut. Tolle Kurzgeschichten erzählen uns etwas über die Welt von Eis & Dampf, liefern Abenteuerideen für das Rollenspiel und vermindern die Wartezeit auf den zweiten Band der Romanreihe. Bilder und Werbung sorgen für eine Runde Sache, bei der sich viele andere Groschenhefte eine dicke Scheibe abschneiden könnten.

Fazit: "Die grüne Fee" ist das Groschenheft, auf das alle Steampunkfans gewartet haben und das alles richtig macht. Kurzweilige Geschichten, tolle Bilder und stimmige Werbung werden vom Verlag zu einem perfekten Produkt dieser Sparte verbunden. Eigentlich wünscht man sich nur eines, nämlich die schnelle Veröffentlichung des zweiten Bandes.




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