Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Cthulhu » Cthulhu Britannica – London – The Curse of Nineveh

Cthulhu Britannica – London – The Curse of Nineveh
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 03.05.2016, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Mike Mason, Mark Latham, Scott Dorward und Paul Fricker, Verlag: Cubicle Seven, Seiten: 226, Erschienen: 2015, Preis: 39,99$


Archäologie, alte Sagen, Legenden und Mythen, Geschichte und Rollenspiel in einem ist genau diese Kombination das, was ich mir in Rollenspielen wünsche. Zum Glück gibt es in der mittlerweile breiten Masse an Rollenspielen einige, die diesen Wunsch direkt erfüllen oder zumindest mit wenig Aufwand diesen Wunsch erfüllen können.

Eines der Rollenspiele, welches diesen Wunsch direkt erfüllt, das Rollenspiel Cthulhu, und zwar in all seinen Varianten, schließlich entführt es uns in alle Epochen unserer Geschichte und auch darüber hinaus. Am bekanntesten ist natürlich die Variante, die uns in die Roaring Twenties, in die Goldenen Zwanziger entführt. Genau für diese Epoche hat Cubicle7 seine Reihe "Cthulhu Britannica" ins Leben gerufen und nach einer grandiosen London-Box nun eine Kampagne veröffentlich, welche in London spielt und doch viel weiter greift: The Curse of Nineveh. Verantwortlich für die Entstehung sind vier Autoren: Mike Mason, Mark Latham, Scott Dorward und Paul Fricker und der Herausgeber Dominic McDowall. Jon Hodgson ist für die Illustrationen zuständig, wobei ihm Scott Purdy zur Seite stand. Ein gutes Team, was ein tolles Buch und eine gute Kampagne erwarten lässt.

Das Buch selbst ist recht unspektakulär aufgemacht, das Cover zeigt das British Museum im fließenden Übergang zu einer Karte auf einer Steinwand. Auch innen ist das Buch unspektakulär, ich bin vermutlich einfach die bunten Regelwerke gewöhnt, die man hierzulande für wenig Geld bekommt. Die Zeichnungen und das Layout im Inneren sind aber gelungen, und darauf kommt es ja an.
Das Inhaltsverzeichnis verspricht dann sieben Kapitel, für die sieben Teile der Kampagne, der eine Einleitung voran- und ein Anhang und ein Index hintenanstehen.
In der Einleitung erfährt der Spielleiter alle wichtigen Informationen zum Hintergrund der Kampagne, deren Aufbau, den Schlüsselfiguren und -gruppen und erhält Tipps zur Erstellung von passenden Ermittlern für die Kampagne und das erste Handout. Handouts gibt es im Buch jede Menge und für den Spielleiter gibt es einiges zu kopieren.
Das erste Kapitel liefert dann den Einstieg in die Kampagne. Die Ermittler lernen dabei ihre zukünftigen Verbündeten kennen und haben zum ersten Mal näheren Kontakt mit dem Fluch von Nineveh. Diesen Fluch möchte ich nicht genauer in den Blick nehmen, denn etwas Überraschung sollte schon sein. Die Verbündeten jedoch dürfen näher betrachtet werden, schließlich ist der Wentworth Club etwas Besonderes. Englische Clubs waren und sind elitär, der Wentworth Club ist aber etwas Besonderes, denn er lässt Frauen zu und ermöglicht demnach auch weiblichen Ermittlern Zugang in die heiligen Hallen und zur Beerdigung eines Freundes der Ermittler. Dessen Tod und die Hintergründe sind es, die die Ermittler auf eine alte Expedition bringen, einer Expedition nach Nineveh. Dort haben zwei Archäologen reiche Beute gemacht, Beute, die allerdings wirklich veflucht ist.
In den nächsten Kapiteln dringen die Ermittler immer tiefer in das Geheimnis um Nineveh vor und finden sich bald zwischen den Fronten wieder, denn es gibt mehr als nur einen Gegner, der die Artefakte haben will und natürlich aus den unterschiedlichsten Gründen.
Passenderweise findet die Kampagne in den letzten beiden Kapiteln ihren Höhepunkt, wenn eine wichtige Persönlichkeit in den Fokus einer Macht gerät, die von Macht nur so strotzt. Können die Ermittler das erwartungsgemäße Ritual rechtzeitig aufhalten oder ein entgegengesetztes Ritual durchführen? Das gilt es herauszufinden. Je nach Erfolg oder Misserfolg wird sich die Geschichte der Welt anders weiterentwickeln als geplant.
Im Anhang finden wir eine Sammlung aller Bodenpläne und eine Sammlung aller Nichtspielercharaktere und wo diese erwähnt werden. Ein Index rundet das Buch ab.

Eine gelungene Kampagne, die auch Scheitern in den Blick nimmt und die an vielen Stellen die Ermittler wirklich frei entscheiden lässt. An anderen Stellen, und das ist normal in einer Kampagne, wird die Gruppe auch geleitet, aber die vielen Freiheiten lassen einen über dieses Manko hinwegsehen. Die Idee der Kampagne ist so allerdings nicht neu, sie ist aber gut verpackt und mit neuem Inhalt ausgeschmückt. Was ich etwas Schade finde, sind die vielen zu kopierenden Handouts, für ein paar Euro mehr, hätte man eine tolle Box mit passenden Handouts herstellen können und die Atmosphäre der Kampagne damit deutlich erhöht. Cthulhu lebt von der Stimmung und dafür zahle ich gerne mehr. Insgesamt hat mich die Kampagne zwar überzeugt, das gesamte Konzept und die Ausstattung jedoch leider nicht. Sprache, Lektorat, Illustrierung und Layout sind aber so überzeugend, dass mir die fehlende Farbe irgendwann nicht mehr aufgefallen ist, was auch für sich spricht.

Fazit: Cubicle7s Reihe "Cthulhu Britannica" findet mit der Kampagne "The Curse of Nineveh" eine gelungene Fortsetzung. Die Abenteuer sind interessant und bietet den Spielern viele Freiheiten. Handwerklich ist das Buch mehr als solide, allerdings hätte ich mir haptische Handouts gewünscht. Wer einmal einige Abende mit dem Rollenspiel Cthulhu in London verbringen möchte, macht hiermit nichts falsch.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.