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Dorian Hunter 25 - Die Masken des Dr. Faustus – Komplettbox (inkl. Soundtrack)
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 08.10.2014, Serie: Auditorium, Autor(en): Ernst Vlcek und Dennis Ehrhardt, Verlag: Universal Family Entertainment GmbH, Seiten: , Erschienen: 2014, Preis: 29,95 EUR


Dorian Hunter: Dämonenkiller ist ein echter Klassiker des Horrorgenres. In den 70er-Jahren erschien die gleichnamige Heftromanreihe, die dann ab 1984 in fünf Hörspielen wieder auflebte. Danach kam lange gar nichts. Inzwischen hat sich ein neues Team der alten Geschichten angenommen und weckt damit Erinnerungen an glorreiche Hörspielzeiten in den 80er-Jahren um die Horrorserien Makabros, Larry Brent und natürlich John Sinclair. Die Hauptfigur, Dorian Hunter, entdeckt in der Hörspielreihe klassisch sich, seine Vergangenheit und seine Fähigkeiten erst von Folge zu Folge, bevor er dann voll entwickelt seine Abenteuer bestehen kann: Er ist einer der neun Söhne des Teufels und als solcher aus der Art geschlagen, denn er bekämpft die "Schwarze Familie".

Der 25. Teil der Serie Dorian Hunter - Dämonenkiller wird von Zaubermond gebührend als Jubiläum gefeiert. Die Maske des Dr. Faustus kommt auf drei CDs (Mummenschanz, Hassfurt und Fastnacht) daher und wird als Extrabonus um eine vierte CD ergänzt, die die Soundtracks zur Serie in voller Länge enthält. Auch das Booklet fällt dieses Mal mit 20 Seiten voluminöser aus und stellt zunächst Ernst Vlceks Exposé zum Roman vor, um danach die Unterschiede zur Hörspielversion zu erläutern. Die besondere Schwierigkeit war die akustische Erweckung einer achtköpfigen Gruppe von Spielleuten, die neben den bekannten Charakteren erkennbar mit eigenem Profil ausgestattet werden mussten. Das ist trotz der zahlreiche Zeitsprünge (dazu später mehr) perfekt gelungen - eine hörspielerische Meisterleitung. Noch beindruckender erscheint die Leistung, wenn man sich die Liste der Sprecher ansieht. 45 verschiedene Stimmen muss der Hörer diffenzieren und das funktioniert tatsächlich.
Ebenfalls im Booklet findet sich ein Interview mit Kabarettikone und Schauspieler Dieter Hallervorden, der hier zum ersten Mal in seinem Leben eine Hörspielrolle eingesprochen hat - natürlich die des Dr. Faustus. Wer Hallervordens Stimme aus seinen bisherigen Film- und Fernsehrollen kennt, der kann sich vermutlich wie ich zunächst kaum vorstellen, wie man sie mit einem Horrorhörspiel zusammenbringen soll. Aber auch diese Liaison funktioniert.
Andreas Meyer präsentiert im Anschluss im Booklet seine Gedanken zum Soundtrack von Dorian Hunter. Dabei wird jeder der insgesamt 19 Titel kurz kommentiert.

Inhaltlich schildert das Hörspiel Dorian Hunters Jagd nach dem Dämonendrilling, nachdem er den Drudenfuß in seinem Besitz hat. Dabei bietet ihm Olivaro überraschend Hilfe an, verlangt aber im Gegenzug, dass Hunter sich mit seinem dritten - bisher noch unbekannten - Leben nach seiner Existenz als Juan Garcia de Tabera beschäftigt. Wann immer Dorian Körper stirbt, wird er dank seiner mit dem Teufel ausgehandelten Unsterblichkeit im Körper eines Kindes neu geboren und seine Erinnerungen an die alte(n) Existenz verblassen. Er kann sie aber wieder in das Bewusstsein zurückbringen. So springt das Hörspiel immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, als Hunter noch Georg Rudolf Speyer war, ein ehemaliger deutscher Student auf der Reise oder besser unbewussten Suche. Speyer schließt sich einer fahrenden Schauspieltruppe an, die zu dem - wie man nach und nach erfährt - verfluchten Ort Hassfurt zieht, um dort ein eigens geschriebenes reichlich brutales Theaterstück vor dem Fürsten aufzuführen. In Hassfurt fließen dann Realität und Spielkunst so ineinander, dass Spiel und Wahrheit nicht mehr genau zu differenzieren sind. Helfend springt überraschend Dr. Faustus seinem ehemaligen Schüler Speyer zur Seite. Der Meister ist im Hörspiel aber nicht wie bei Goethe der omnigebildete Lebensmüde, der vom Teufel verführt wird, sondern ein begnadeter Illusionist mit dunkler Vergangenheit. So isst er z.B. in der Schenke Hassfurts auf Wunsch der Gäste sein eigenes Bein und trinkt danach sein Blut.

Insgesamt gelingt es Zaubermund, über alle drei Teile die Spannnung hochzuhalten, weil die Motive der einzelnen Figuren nie völlig offengelegt werden. Man kann sich also nicht sicher sein, dass plötzlich doch eine überraschende Wendung erfolgt. Selbst Hunter, der nach und nach sein Leben als Speyer entdeckt, ist dieses Mal keine verlässliche Konstante.

Liest man andere Besprechungen zu Die Maske des Dr. Faustus, wird gelegentlich die Komplexität kritisiert. Es stimmt schon: Ohne Hörspielerfahrung ist es wirklich schwer, den Zeitsprüngen zu folgen und einen Überblick über die Rollen zu behalten. Ein technischer Mangel ist das aber nicht. Regie und Schnitt haben alle nötigen Register gezogen. Die Maske des Dr. Faustus ist lediglich ein anspruchsvolleres Hörspiel, dass es in dieser Komplexität in der Reihe Dorian Hunter - Dämonenkiller noch nicht gegeben hat. Wer nicht sofort alles versteht, der kann dem Hörspiel beim zweiten oder vielleicht dritten Hören immer wieder neue Seiten abgewinnen. Wer sagt denn, dass man Hörspiele nur einmal hören kann?

Fazit: Die Maske des Dr. Faustus ist ein sehr spannendes Hörspiel, dass als Jubiläumsfolge sowohl in der Länge, als auch in Ausstattung und Anspruch alle bisherigen Folgen überflügelt. Prädikat: Must have!




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