Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Das Schwarze Auge » Liber Liturgium (PDF)

Liber Liturgium (PDF)
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 10.09.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Eevie Demirtel u.a., Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 380, Erschienen: Juli 2013, Preis: 35,00 EUR, PDF: 17,50 EUR


Das "Liber Cantiones", das große Zauberbuch mit allen Sprüchen, die Magiern, Elfen, Hexen oder Druiden zur Verfügung stehen, gehört zur Grundausstattung jedes Spielers, der bei DSA einen magisch begabten Charakter verkörpern will. Jetzt, immerhin elf Jahre nach der ersten Auflage des Liber Cantiones und während des Produktionsbeginns einer neues DSA-Regelversion, erscheint ein vergleichbarer Band für das "Zaubern" mit göttlicher Macht, das Liber Liturgium.

Das Buch besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: Den Regelmechanismen, den Kurzvorstellungen verschiedener Götter und Kulte sowie der Liste der Liturgien. Letztere macht mit rund 270 Seiten den größten Abschnitt des Bandes aus.

Der Regelteil ist knapp gehalten und stellt die zentralen Handhabungen und Modifikationen zum Götterwirken kompakt vor. Ärgerlich ist allerdings, dass kein einziges Mal dargestellt wird, auf welche Werte genau denn nun der immer wieder entscheidende Liturgiekenntnis-Wurf angelegt wird. Dazu muss wieder im Grundregelwerk für aventurische Religionen, dem "Wege der Götter", nachgeschlagen werden. Und auch dort ist die Darstellung der Liturgiekenntnis-Probe wenig benutzerfreundlich versteckt.

Auf sogenannten "Schnellreferenzbögen" werden im Liber Liturgium 25 aventurische Götter und Kulte jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt. Auf der einen Seite stehen Gottheit und Kult mit bekannten Beinamen, typischen Opfergaben, Symbolen, Gesten und Ähnlichem innerweltlich im Blickpunkt. Auf der anderen Seite folgt die Liste mit den jeweils zugänglichen Mirakeln - gewissermaßen Stoßgebete, die bestimmte kleinere Tätigkeiten erleichtern - und den Liturgien, die Geweihte der betreffenden Gottheit wirken können. Neben den Zwölfgöttern, der dominierenden Religion in Aventurien, werden auch kleinere und nur in bestimmten Winkeln der Welt verehrte Kulte abgehandelt. Allerdings bleibt es bei sehr knappen Beschreibungen. In "Wege der Götter", das ohnehin zum Spielen eines geweihten Charakters benötigt wird, finden sich zu jedem einzelnen Kult erheblich detailliertere und lebendigere Informationen.

Auch der eigentliche Liturgien-Teil glänzt durch Wiederholungen. Von den rund 250 Liturgien sind nur rund 20 tatsächlich neu. Mehrere andere wurden nach Angaben der Redaktion auf Grundlage von Spielerfahrungen und Anregungen der Spieler verändert. Wie weit diese Überarbeitung reicht, kann im Rahmen dieser Rezension nicht im Einzelnen geklärt werden. Beim Überfliegen fielen sowohl sinnvolle (Beschränkungen für den sehr mächtigen Weisheitssegen) als auch fragwürdige (Abschwächung der Heilungs-Liturgien) Veränderungen auf.

Insgesamt bleibt es offenbar dabei, dass einige Geweihte hochgradig nützliche Liturgien für den Heldenalltag mitbringen, insbesondere Priester des Diebesgottes Phex oder der Kriegsgöttin Rondra, während andere ihre speziellen Fähigkeiten nur selten nutzbringend einsetzen können, beispielsweise die Geweihten der Familien-Göttin Travia oder der Meeresgottheit Efferd. Eine eindeutig positive Leistung des Liber Liturgium ist es, die Geweihten des Namenlosen endlich einmal mit regeltechnisch ausgearbeiteten und dazu noch passend mächtigen Liturgien zu versorgen. Allerdings ist das vor allem für den Spielleiter von Nutzen, unter dessen Kommando die Verehrer des bösartigen Gottes üblicherweise stehen.

Die Gestaltung macht zumindest in der elektronischen Version einen sehr gelungenen Eindruck. Der schwarze Kunstledereinband mit den Göttersymbolen in Goldschnitt wirkt edel. Auch die Ornamente auf den Seiten und der relativ luftige Schriftsatz unterstreichen diese Anmutung. Ob es allerdings gleich elf linierte Leerseiten zum Eintragen selbst entwickelter Liturgien sein müssen, darf man getrost bezweifeln.

Anmerkung: Dieser Rezension liegt die elektronische Ausgabe als pdf-Dokument zu Grunde.

Fazit: Die schöne Aufmachung und die endlich erfolgte Berücksichtigung des Namenlosen sind die großen Pluspunkte des Liber Liturgium. Bei einigen bekannten Liturgien sind spürbare Überarbeitungen vollzogen worden, die von den Spielern sicher unterschiedlich bewertet werden. Insgesamt sollte man sich aber sehr genau überlegen, ob es sinnvoll ist, ein Werk anzuschaffen, das in weiten Teilen den eigentlichen Götter-Basisband wiederholt und bei der Beschreibung der einzelnen Kulte sogar deutlich hinter ihm zurück bleibt.




LORP.de Copyright © 1999 - 2016 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.