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Capes, Cowls and Villains FoulBarak Blackburn
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 19.01.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Barak Blackburn, Verlag: Spectrum Games, Seiten: 163, Erschienen: 2012, Preis: 24,99$/7,49$


Auf eines kann man sich in der Filmbranche verlassen, jedes Jahr werden unzählige Filme, die sich mit der Thematik Superhelden beschäftigen, gedreht und in die Kinos gebracht. Bekannte Helden stehen dabei natürlich im Fokus aber ab und an sind es auch Gruppen, die sich die Ehre geben, um die Welt oder auch nur eine Stadt zu retten. Angeschaut werden diese Filme von vielen und viele davon würden wahrscheinlich selbst gerne in die Fußstapfen der Leinwand- und Graphic Novel-Helden treten.

Mit einem Rollenspiel ist so etwas möglich und noch dazu ungefährlicher als in einem engen Kostüm durch die Straßen einer Stadt zu wandern und zu versuchen Handtaschendiebe oder schlimmere Verbrecher aufzuhalten. Ein Rollenspiel neueren Datums, das sich diesem Thema und natürlich noch viel übleren Schurken widmet, ist Capes, Cowls and Villains Foul von Barak Blackburn erschienen bei Spectrum Games.

Schon der erste Blick macht klar, welchem Genre sich das Rollenspiel widmet. Bunt und mit vielen Comicelementen begrüßt das Cover und auch innen drin, ist es nicht weniger im Comicstil gehalten. Die Seiten sind komplett in Farbe und es finden sich viele Comic-Helden und sogar ein kleiner warm-up Comic zu Beginn des Buches. Den Anfang macht aber ein vielversprechendes Inhaltsverzeichnis. Danach folgt das bereits erwähnte Comic und die Einleitung, in der nicht nur die Beweggründe des Autoren ein solches Spiel zu schreiben, sondern auch gleich ein Blick auf die Regeln und Grundlagen des Spiels geworfen wird. Der Autor selbst liebt Superheldencomics und da insbesondere die Schwächen der Helden. Genau diesen Aspekt hat er dann auch als essentiellen Aspekt des Rollenspiel übernommen. Über die Regeln erfahren wir, dass W12 verwendet werden und dass die Charaktere mit beschreibenden Eigenschaften, positiven (Superkräfte) und negativen (Schwächen) und nicht mit Attributen ausgestattet sind. Desweiteren gibt es keine Trefferpunkte sondern Setback Tokens, die in Szenen verwendet werden können, um den Charakter einzuschränken. Alle Elemente dienen auf den ersten Blick dazu, das Rollenspiel zu fördern und nicht mit unnötigen Notieren von Schadenspunkten zu verhindern.
Die nächsten beiden Kapitel widmen sich der Charaktererschaffung und den Regeln. Im ersten Kapitel werden die Eigenschaften näher erklärt und es wird klar, dass es ein Rollenspiel mit viel erzählerischem Anteil ist, welches hier vorliegt. Die Eigenschaften können nämlich alles mögliche sein und keine Eigenschaft gleicht der anderen, denn schlussendlich liegt die Auslegung im Auge des Spielers und des Spielleiters. Falls dem Spieler aber nichts Gutes einfällt, kann er auf einige sehr gute vorgefertigte Eigenschaften zurückgreifen und den Charakter in einer Art Punktesystem zusammenstellen. Einige dieser Eigenschaften werden dann zu Signatureigenschaften, die dem Spieler mehr Würfel geben und die Besonderheit des Charakters darstellt. Das besondere bei den Eigenschaften in diesem Rollenspiel ist, dass jede Eigenschaft nur einmal pro Szene verwendet werden kann, es sei denn es ist eine Signatureigenschaft, die darf öfter verwendet werden. Auf die Eigenschafen werden Punkte verteilt und diese Punkte ergeben schließlich die Boni die zum Würfelwurf addiert werden und über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Anhand eines Beispiels wird die Charaktererschaffung gut verständlich erklärt und wem das dennoch zu viel Arbeit ist, der kann einen der vielen vorgefertigten Charaktere am ende des ersten Kapitels auswählen. Hier finden sich tolle Bilder und auch bekanntere Superhelden in einer das Copyright nicht verletzenden Form und doch mit hohem Wiedererkennungswert. In der Charaktererschaffung findet sich noch ein Regelelement, ein weiteres Mal deutlich macht, dass es sich um ein Erzählrollenspiel handelt, die Regel zum Editorial Control, in der es um eine besondere Form von Punkten geht, die es den Spielern ermöglichen die Rolle des Erzählers für kurze Zeit zu übernehmen. Dies ist zwar nicht neu, aber doch immer wieder gerne von Spielern angenommen. Das zweite Kapitel widmet sich den Regeln und bis auf die Verwendung des W12 wird da nicht viel neues geboten. Es wird eine, durch Werte vorbestimmte, Anzahl von W12 gewürfelt und, im Normalfall, der höchste Würfel wird zur Ergebnisbestimmung herangezogen. Dieses Ergebnis wird mit Boni addiert und mit dem gegnerischen Wurf oder eine vorher bestimmte Schwierigkeitsstufe verglichen. Ist das Ergebnis höher, war die Probe erfolgreich. So läuft es bei allen Proben, auch beim Kampf, wobei ein Erfolg dort bedeutet, dass der Angegriffene ein Setback Token erhält.
Das dritte Kapitel richtet sich an den Spielleiter. Hier finden sich die Informationen zum Ausspielen der Schurken. Besondere Regeln werden für Schurken nicht benötigt und deswegen ist das Kapitel auch sehr kurz. Es beinhaltet aber nichts, was jemanden mit Comicerfahrung nicht auch so eingefallen wäre.
Das vierte Kapitel richtet sich wieder an die Spieler und den Spielleiter. Optionale Regeln und auch Regeln für das Liverollenspiel werden hier vorgestellt. Einige der optionalen Regeln gehören für mich in die normalen Regeln, während andere hier durchaus richtig positioniert wurden. Zu Ersteren zähle ich zum Beispiel die Regeln zu den Erfahrungspunkten und der Charakterentwicklung. Zu Letzterem zähle ich die besonderen Kampfregeln, die der eigentlichen Idee eines schnellen erzählorientierten Spiels doch zum Teil widersprechen.
Das nächste Kapitel, immerhin fast 30 Seiten, enthält ein Spielbeispiel, das auf fast jede Regelfrage eingeht und gleichzeitig ein mögliches Szenario vorstellt. Spätestens nach der Lektüre dieses Kapitels sind alle Fragen geklärt und dem Spielen steht nichts mehr im Weg.
Mehr Szenarien und wie man diese selbst entwirft, finden sich im folgenden Kapitel. Beide vorgestellten Szenarien sind sehr offen gehalten und bieten jede Menge Spaß und Action, alles wofür Comics stehen, und fordern die Spieler.
Im Nachwort verabschiedet sich Barak Blackburn von Spielern und Lesern und wünscht viel Spaß beim Spielen, bevor im Anhang ein Glossar, eine Zusammenstellung der wichtigsten Regeln in Tabellenform, Charakterbögen und ein detaillierter Index das Buch abschließen. Bis auf die Charakterbögen, die ich für etwas zu lieblos halte, kann der Anhang absolut überzeugen.

Ein tolles Thema für ein Rollenspiel mit interessanten Regeln, die zwar nicht wirklich neu sind, aber doch für die Art von Rollenspiel, die dem Autoren vorschwebt, gut zusammengesetzt wurden. Die Eigenschaften und deren regeltechnische Umsetzung sind erzählspielfördernd und auch der Würfelmechanismus führt eher dazu, dass weniger Zeit für das Würfeln verwendet wird. Durch diese Regeln kommt das Genre Comic und wie Comicstories erzählt werden gut zur Geltung. Ebenso stimmig und passend sind die Bilder im Regelwerk. Viele Helden können wiedererkannt werden und auch neue Helden werden eingeführt und können schließlich zu sofortigen Spielen verwendet werden. Neben all diesen positiven Elementen muss aber auch gesagt werden, dass der Aufbau ansonsten nicht unbedingt ansprechend ist, Tabellen sind ja gut und schön, aber da hätte man farblich weniger starke Kontraste wählen können. Der Schreibstil selbst ist auch nicht unbedingt ansprechend, aber es handelt sich ja auch um ein Regelwerk und nicht um einen Roman, deswegen kann man darüber hinwegsehen. Was einerseits gut ist, andererseits aber nur dazu geführt hat, dass das Buch teurer wurde, ist das lange Spielbeispielkapitel. Hier werden die Regeln zwar detailliert im Spiel erklärt, aber es ist eben ein Dopplung, die zu 30 Seiten mehr führt, die bei vollfarbigen Produktionen in der Printausgabe durchaus den Preis erhöhen. Doch die letzteren beiden Punkte sind vernachlässigbar, denn zum einen gibt es das Buch auch als PDF und ist selbst als Printausgabe noch günstig genug und zum anderen soll ja der Spielspaß im Vordergrundstehen und der ist schon beim Zusammenstellen der Charakterfähigkeiten gegeben und wird beim Spielen noch verstärkt.

Fazit: Capes, Cowls and Villains Foul von Barak Blackburn ist ein gelungenes Superheldenrollenspiel mit Regeln, die das Genre Comic unterstreichen und ein erzählendes Rollenspiel fördern und verlangen. Spaß vom Charakterbau bis zum ersten Kampf gegen einen Schurken und auch beim Einsatz der Würfel – endlich kann man einmal seine W12 intensiv nutzen. Dazu noch tolle Bilder von Superhelden. Stimmung pur. Das tröstet dann auch über einige Schwächen beim Schreibstil und einem zu großen Spielbeispiel hinweg. Weiter so Spectrum Games.




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