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Slasher Flick - The Director's Cut
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 17.01.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Cynthia Celeste Miller, Verlag: Spectrum Games, Seiten: 169, Erschienen: 2010, Preis: 37,05 €


Jason, Freddy und Michael. Messer, Hockeymasken, Krallenhände. Hauspartys, verlassene Bunker, eine Hütte im Wald. Schreiende Teenager, Blut und jede Menge Leichen. Es braucht nicht viel, um das als Inhalt von Slasher-Filmen zu erkennen. Von diesen Filmen kommen jedes Jahr einige ins Kino und die alten Filme dieses Genres werden im Fernsehen ausgestrahlt. In beiden Medien erfreuen sich die Filme trotz einfacher und vor allen Dingen wiederkehrender Handlungsabläufe großer Beliebtheit.

Mit Slasher Flick – The Director's Cut von Cynthia Celeste Miller gibt es jetzt ein Rollenspiel, in dem die Spieler in die Welt der Slasher-Filme eintauchen können. Erschienen ist das Rollenspiel beim amerikanischen Rollenspielverlag Spectrum Games und das wahlweise vollfarbige oder schwarz-weiße Regelwerk sowohl als PDF als auch gedruckt erhältlich.

Begrüßt von einen namenloses Slasher, seinem Opfer und seinen Ausrüstungsgegenständen, zeigen Cover und Einstiegsbild deutlich, wohin die Reise geht. Das Inhaltsverzeichnis ist recht überschaubar, die Warnung, dass das Buch nur für Leser über 18 Jahren ist, sieht man deswegen recht schnell. Der Aufbau des ganzen Buches wird dann bereits vor dem Lesen des ersten Kapitel deutlich. Jede Seite besteht aus zwei Elementen, zum einen der normale Text zum Rollenspiel und zum anderen die Seitenleiste mit zusätzlichen Informationen, optionalen Regeln und Erläuterungen zu den Regeln.

Kommen wir zum eigentlichen Inhalt. Acht Kapitel, knappe 110 Seiten, und ein 53-seitiger Anhang warten darauf gelesen zu werden.
Im ersten Kapitel gibt es erste Informationen zum Aufbau des Buches, die benötigten Würfel werden vorgestellt, W6, W8 und W10, außerdem gibt es eine kurze Einführung ins Rollenspiel und einige wichtige Begriffe werden geklärt.
Kapitel zwei widmet sich dem Genre Slasher-Filme. Wer sich mit diesem Genre nicht auskennt, bekommt hier einen Crashkurs. Wiederkehrende Elemente, Clichés und die wichtigsten Slasher-Filme werden hier vorgestellt und erhalten von der Autorin gleich noch eine kurze aber durchaus gelungene Beurteilung.
In Kapitel drei geht es endlich um die Regeln. Es gibt vier Charaktertypen, Primäre bis tertiäre Charaktere und den Killer. Jeder Spieler spielt einen primären Charakter, quasi die Hauptrollen mit Hintergrund, und einige sekundäre Charaktere, Nebenrollen ohne viel Hintergrund und potentielle Opfer. Der Regisseur steuert die tertiären Charaktere, Nebenrollen mit wichtigen Szenen, und den Killer. Jeder Charakter ist mit vier Attributen ausgestattet, Muskelkraft, Gewandtheit, Verstand und Seele. Diese Attribute können drei Werte besitzen, Schwach, Normal und Gut, und je nach Wert, würfelt der Spieler entweder mit W10, W8 oder W6. Das Würfelsystem ist denkbar einfach: Vier Würfel werden gewürfelt und werden identische Zahlen gewürfelt, ist das ein Erfolg. Je mehr identische Zahlen, desto erfolgreicher ist das Ergebnis der Probe, was insbesondere bei vergleichenden Proben wichtig ist. Um das Ganze etwas runder zu machen, gibt es noch Qualitäten: Gute Qualitäten sind herausragende Fähigkeiten oder Fertigkeiten und sollte die Qualität zum Tragen kommen, erhält der Spieler einen Würfel mehr. Negative Qualitäten sind Schwächen des Charakters und diese ziehen einen Würfel ab. Die Attribute und Qualitäten entscheiden über Leben und Tod, denn früher als man es hofft, wird der Killer auf einen Aufmerksam und es kommt zum Regelelement der Killszenen, bei dem der Charakter direkt gegen den Killer antritt und entweder entkommt oder stirbt. Hier kommt es drauf an im Kampf gegen den Killer durch erfolgreiche Würfe Überlebenspunkte zu sammeln. Null Überlebenspunkte, also viele Würfe ohne Erfolge, führen zum Tod, acht Überlebenspunkte führen zur erfolgreichen Flucht. Ein weiteres wichtiges Element sind die Genrepunkte, die Spieler erhalten, wenn sie gemäß der Clichés der Slasher-Filme spielen. Diese Punkte können sie zum Beispiel im Kampf gegen den Killer einsetzen, um einige Vorteile zu erhalten und ihren primären Charakter am Leben zu halten. Der Killer selbst ist kein normaler Charakter, er hat keine Werte, erhält aber einige Hintergründe, die ihn abrunden und natürlich auch den einen oder anderen Vorteil bringen. Mehr zu verraten würde den Spielern aber den Spaß nehmen selbst einiges herausfinden zu können.
Das vierte Kapitel richtet sich an die Spieler und liefert die Regelmechanismen zum Erstellen von primären und sekundären Charakteren. Primäre Charaktere werden dabei von einem Spieler, sekundäre Charaktere von allen Spielern zusammen erstellt. Alle Charaktere entsprechen Stereotypen aus Slasher-Filmen, vom netten Nerd, über die etwas hochnäsige Cheerleaderin bis zum Lederjacke tragenden Biker. Diese Stereotypen werden mit Qualitäten ausgestattet und erhalten Werte in den vorgestellten Attributen nach Wahl der Spieler. Sind die Werte und Qualitäten eingetragen erhalten die Charaktere noch Ausrüstung und die Spieler entscheiden sich, wieso und woher sich die Charaktere kennen und wie sie zueinander stehen.
Im fünften Kapitel, das sich wieder an die Spieler richtet, geht es um das Spielen von Charakteren. Hier werden die Genrepunkte nochmals erklärt und auch, wieso der Tod eines Charakters manchmal ganz nützlich sein kann.
Für den Spielleiter finden sich im sechsten Kapitel einige Tipps zum Aufbau und zur Durchführung eines Slasher Flick-Abenteuers, die Regeln zum Erstellen eines interessanten Killers und einige vorgefertigte Killer, mit einigen Anleihen aus Filmen und Serien.
Auch Kapitel Sieben und Kapitel Acht richten sich an den Regisseur. Ersteres enthält einige wirklich gelungene Slasher Flick-Abenteuerideen, letzteres ein ausführlich beschriebenes Abenteuer, das die Charaktere in tiefe Abgründe führt, sowohl räumlich als auch menschlich.
Im Anhang finden sich dann vorgefertigte Charaktere, für jeden Stereotyp einer, deshalb auch 53 Seiten, und ganz am Ende ein guter übersichtlicher Charakterbogen.

Gerade weil diese Zusammenfassung des Inhalts und der Regeln erschlagend wirkt, muss ich sagen, dass das Buch diese ganzen Dingen wirklich gut verpackt. Der Schreibstil ist toll und passt zum Hintergrund. Die tollen Regeln sind einfach zu verstehen und es gibt immer wieder Beispiele für Regelelemente, die schwierig zu verstehen sein könnten. Die Bilder, zugegeben zuweilen etwas krude, sind aber ansprechend und passen zum Genre, das hier beschrieben wird und bespielt werden soll. Slasher-Filmfans und Rollenspieler werden an diesem Rollenspiel sicher Spaß haben. Einige Sachen sind aber auch zu bemängeln. Auf den ersten Seiten des Buches finden sich einige den Lesespaß beeinflussende Rechtschreib- und Grammatikfehler, die einen schlimmes befürchten lassen. Zum Glück hat das Lektorat im weiteren Verlauf des Buches deutlich besser gearbeitet und keine anderen solchen Fehler zurückgelassen. Eine andere Art Fehler findet sich im vorgefertigten Abenteuer, nämlich ein Logikfehler, den man hier nicht weiter behandeln kann, will man das Abenteuer für die Spieler nicht der Spannung berauben. Auch der Anhang überzeugt mich nicht wirklich. Fast ein Drittel des Buches nur vorgefertigte Charaktere muss meiner Meinung nach nicht sein. Weniger wäre hier mehr gewesen und hätte die Produktion des Buches auch etwas billiger gemacht. Trotz dieser Schwächen ist Slasher Flick - The Director's Cut aber ein tolles Regelwerk zu einem Rollenspiel mit tollem Hintergrund, für das man sicher viele interessierte Spieler finden kann.

Fazit: Slasher Flick - The Director's Cut von Cynthia Celeste Miller und Spectrum Games ist ein tolles Rollenspiel für Slasher-Filmfans und solche die es noch werden. Die Regeln sind nicht nur passend zum Genre und den Clichés gewählt, sondern auch noch griffig. Ansprechende Bilder und einiges an gelungenem zusätzlichen Material, zum Beispiel das Kapitel, das sich dem Genre und den besten Filmen widmet, machen die Schwächen schnell vergessen und führen dazu, dass dieses Rollenspielregelwerk absolut zu empfehlen ist.




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