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Flames of War - Cassino
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 24.07.2011, Serie: Tabletop, Autor(en): Michael Haught, Verlag: Battlefront, Seiten: 152, Erschienen: 2011, Preis: 24,- €


Das Tabletop Flames of War erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit, bildet es doch Schlachten des Zweiten Weltkriegs äußerst detailgetreu nach und weist vor allem der Infanterie ein höhere Bedeutung zu als vergleichbare Spiele. Mit Cassino geht Battlefront aus Neuseeland den Schritt konsequent weiter, denn das Buch behandelt die verlustreichen Kämpfe um Monte Cassino in Italien von Januar bis Mai 1944.

Das Buch lässt schon vor dem Öffnen aufhorchen. Einerseits wurde ein neues Kampagnensystem mit dem schneidigen Namen "Infantry Aces" angekündigt und andererseits kostet das 152 Seiten dicke Softcoverbuch gerade einmal 24 Euro und ist damit erheblich günstiger als vergleichbare Produkte des Herstellers. Nun aber zum Inhalt.

In den Schlachten Cassinos war alles vertreten was Rang und Namen hatte. Schließlich galt es den Weg nach Rom zu ebnen. Auf den ersten 17 Seiten erfährt der Leser historische Begebenheiten und dessen szenarientechnische Umsetzung in drei Routen (durch die Berge, durch die Stadt und durchs Tal) mit all ihren tödlichen Tücken.

Gleich danach geht es an den Kern jedes Flames of War Quellenbuchs – die Armee-Listen. Und wie es sich für Cassino gehört, sind ausschließlich Infanterie-Kompanien vertreten. Dabei wurde den deutschen Truppen wieder einmal der meiste Platz reserviert. Auf 32 Seiten gibt es reichlich Möglichkeiten den Alliierten den Tag zu verhageln. Vor allem die Fallschirmjäger werden es Spielern der Achse angetan haben.
Dabei wird, für den Schauplatz typisch, großen Wert auf "Fortification-Optionen" gelegt, also auf befestigte Stellungen, die man innerhalb seiner Liste mit kaufen kann. Somit werden auch die Regeln zu diesen noch einmal erläutert (11 Seiten).

Im Anschluss werden sich Fans der Franzosen freuen, denn mit den marokkanischen "Goum" ist diesmal eine äußerst exotische Fraktion vertreten, die auch ihre eigenen Miniaturen bekommt. Sie teilen sich eine Liste mit einer weiteren neuen Fraktion, den Nisei. Das sind Amerikaner japanischer Abstammung in zweiter Generation. Ergänzt werden die Amis durch einen Dismounted Cavalry Troop.

Spieler der Briten werden aufatmen. Zwar bekommen auch sie nur eine Liste, mit denen Inder und Neuseeländer gleichzeitig abgedeckt werden, trotzdem bieten die Armeen endlich einmal erfrischende Variationen, die man in der Vergangenheit ab und an vermisste. So kann man auch hier Exoten in Form von Maori und Gurkha spielen.

Somit stehen auf Achsenseite drei Listen auf 32 Seiten fünf alliierte Listen auf 47 Seiten gegenüber, wobei sich Nisei und Goum bzw. Inder und Neuseeländer jeweils eine Liste teilen. Den Abschluss des "klassischen" Parts Cassinos bilden neun Seiten Bemalanleitung und Taktiken.

Weiter geht’s mit der groß angekündigten Neuerung: Infantry Aces. Dies ist ein "Escalation" System für Infanterie-Listen, welches gleich in Form einer Mini-Kampagne um Monte Cassino Umsetzung findet.
"Escalation" bedeutet, dass man mit 500 Punkten klein anfängt und sich über 700 bis 900 Punkte mit jedem Kampagnenschritt nach oben hin steigert. Dabei darf zu Anfang nur Fußvolk ins Feld geführt werden, welches später durch wenig gepanzerten Support ergänzt werden darf.
Umgesetzt wird das System in den anfangs vorgestellten Routen. Jede Route hat drei Schauplätze, um die man in beliebige vielen Schlachten kämpfen kann. Für jede Schlacht gibt es Kampagnenpunkte. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Neben seiner Infanterie-Kompanie führt jeder Spieler aber auch noch ein Ass ins Feld. Dies ist eine Art Warrior, der ebenfalls Punkte pro Schlacht bekommt und sich so nach und nach mit Spezialeigenschaften verbessern kann. So vermag er beispielsweise erbeutete Waffen des Gegners zu nutzen, einmal im Spiel einen Artillerieschlag einer imaginären Batterie anzufordern oder durch besondere Motivationskünste zu überzeugen.

Abschließend gibt es die für den Verlag typischen Tipps eine Kampagne umzusetzen. Dieser Teil nimmt zusammen 32 Seiten ein.

Von der Verarbeitung her hat Battlefront endlich die Kurve gekriegt. Die miserable Qualität alter Bücher ist passe. So bekommt der Leser für relativ kleines Geld ein richtig gutes Buch mit vielen neuen Spielereien.

Fazit: Die Schlachten um Monte Cassino sind legendär und voller Geschichten um Einzelkämpfer, exotischen Truppen und stark befestigter Stellungen. Dieses Flair setzt Battlefront richtig gut um und stellt in der Minikampagne die wichtige Rolle der Infanterie noch einmal gut dar. So werden die Schlachten um das Kloster zu einer wahren Herausforderung für Alliierte und Achsenmächte zugleich.
Spieler von Panzerkompanien werden allerdings keine große Freude haben, denn hier geht es nur um Infanterie. Mit der Brechstange wird man in Cassino sicherlich keinen Erfolg haben, dafür werden die Scharmützel in den Bergen Italiens, zwischen den Häusern Cassinos oder bei der Überquerung des Flusses Rapido zu nervenaufreibenden Spielrunden führen. Cassino ist ein echter Exot und zudem einer der richtig viel Spaß verspricht - für mich das Tabletop-Highlight des Jahres.




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