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Die Götter von Whitechapel
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 22.02.2012, Serie: Belletristik, Autor(en): S.M. Peters, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 448, Erschienen: 2011, Preis: 13,99 €


In den letzten Jahren wurde es um ein Genre immer lauter, dem Steampunk-Genre. Die Dampfkraft und das Leben in der viktorianischen Zeit treffen dabei auf moderne und futuristische Technik. Beides zusammen wird als Retro-Futurismus in einer kontrafaktischen Welt bezeichnet. Neben Romanen, Comics und Mode, finden sich auch immer mehr Filme, die sich mit diesem Genre beschäftigen. Zu nennen wären hierbei die neueste Verfilmung der drei Musketiere sowie die hollywoodisierten Abenteuer des wohl berühmtesten Detektivs der Welt, beide Filme enthalten deutliche Elemente des Steampunk-Genres.

Aber auch der Buchmarkt füllt sich immer mehr mit Büchern dieses Genres und Feder&Schwert haben sich entschieden, unter einem eigenen Label mit dem Namen Steampunk, Bücher zu diesem Subgenre zu veröffentlichen. Dabei sollen sowohl Übersetzungen englischsprachiger Autoren auf den Markt kommen, aber auch deutschsprachige Autoren eine Chance bekommen, dieses Genre zu bedienen. Als eines der ersten Bücher wurde S.M. Peters Whitechapel Gods übersetzt und als Die Götter von Whitechapel veröffentlicht.

"Die Götter von Whitechapel", das sind Mama Maschine und Großväterchen Uhr. Gemeinsam regieren sie in dem Whitechapel, das in einer anderen Welt, von Jack the Ripper heimgesucht wird. Doch das Whitechapel dieses Romans ist deutlich schlimmer, denn die Götter regieren ihren Bezirk mit eiserner Faust und vor allen Dingen eisernen Männern und Frauen. Auch Maschinenwesen setzen ihre Gesetze um und führen Männer und Frauen als Brennstoff der Mutter oder als gedankenkontrollierte Sklaven dem Großvater zu.
Vor einiger Zeit gab es Widerstand gegen die Götter und viele Menschen mussten ihr Leben lassen. Seit einigen Jahren ist aber Ruhe eingekehrt. Das Königshaus ignoriert Whitechapel mehr oder weniger und die kleinen Widerstandsgruppen halten sich bedeckt und agieren aus dem Untergrund heraus. Als sich eine Möglichkeit offenbart, liegt es in den Händen dreier Protagonisten, die Waffe zu beschaffen, die die Götter verletzen und auch töten kann, und Verbündete zu finden. Gerade der letztere Punkt ist dabei der interessanteste, denn Verbündete finden die drei an Stellen und in Personen, wo sie diese nicht erwarteten. Die drei Protagonisten sind der Rebell Oliver, die Prostituierte Missy und Tommy, der sich aufgrund eines Virus' langsam in eine Maschine verwandelt. Alle drei haben ihre Geheimnisse und alle ihre eigenen Kämpfe zu kämpfen, bevor es schließlich zum großen Showdown kommt, der die Welt für immer verändern wird.

S.M. Peters ist wahrlich ein Meister des Steampunks. Seine Welt strotzt geradezu über davon und wirkt doch nie übertrieben. Seine Protagonisten sind äußerst gelungen und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte stetig weiter ohne dabei die Logik zu vernachlässigen. Neben den Protagonisten werden aber auch die Antagonisten gelungen in Szene gesetzt und man wird immer wieder von ihren Handlungen überrascht. Diese drei Punkte machen das Buch schon zu einem Erlebnis und doch muss auch der Spannungsbogen noch als weiterer Punkt genannt werden, denn den zu unterschlagen, würde dem Buch ein weiteres wichtiges Merkmal nehmen. Das Buch ist vom Prolog bis zum Epilog spannend und mitreißend. Als einziger Haken ist das beinahe komplette Ignorieren der Situation in England von anderen Mächten der Welt zu nennen. Da hätte man mehr draus machen können. Für Die Götter von Whitechapel ist dies aber nicht so relevant und wirklich schaden tut es dem Buch nicht. Die Übersetzung als solche ist gelungen und man kann nur hoffen, dass es in dieser Qualität weitergeht.

Fazit: Die Götter von Whitechapel von S.M. Peters ist ein außergewöhnlicher Steampunk-Roman. Eine spannende Geschichte, in der tolle Protagonisten gegen interessante Antagonisten kämpfen und in der das Genre bestens dargestellt wird. Sowohl Einsteiger als auch Fans des Genres werden hier auf ihre Kosten kommen und danach hoffen, dass mehr Steampunk-Romane des Licht der Welt erblicken.




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