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Linie 1 - Classics
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 06.02.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Stefan Dorra, Verlag: NORIS-SPIELE Georg Reulein GmbH & Co. KG, Seiten: , Erschienen: 2010, Preis: 24,99 €


Mit der Bahn hat man es nicht immer ganz leicht. Das kann wohl jeder bestätigen, der schon einmal stundenlang auf einem Bahnsteig auf einen verspäteten Zug gewartet hat. Bei Linie 1 nimmt man zwar nicht die Position des Bahnfahrers sondern die des Streckenplaners ein, verzwickt bleibt die ganze Sache dennoch.

Hauptaufgabe ist es, ein Schienennetz aufzubauen, das auf dem großen, zwölf mal zwölf Felder umfassenden Spielbrett bestimmte Punkte verbindet. Welche Punkte dies genau sind, entscheidet sich am Anfang durch das Ziehen zweier Karten. Eine gibt die Farbe der eigenen Straßenbahnlinie vor, die andere die städtischen Sehenswürdigkeiten, die später mit der Bahn angefahren werden sollen.
Wenn jeder Spieler diese Vorgaben hat, die er geheim hält, geht es los. Zur Grundausstattung gehören jeweils fünf der insgesamt 126 quadratischen Schienenplättchen. Auf ihnen ist eine große Vielfalt von Schienenverbindungen abgedruckt: gerade Stücke, Kurven, verschiedene Arten von Weichen und Kreuzungen. Pro Runde, die reihum ausgespielt wird, dürfen bis zu zwei der Kärtchen auf dem Spielbrett ausgelegt werden. Anschließend wird von verdeckten Stapeln nachgezogen, so dass wieder fünf Plättchen zur Verfügung stehen.
Man darf auch bereits liegende Plättchen austauschen, solange es sich nicht um spezielle Kreuzungen handelt, auf denen ein Baum aufgedruckt ist. Diese Plättchen müssen auf ihrem einmal eingenommenen Platz liegen bleiben. Wichtigste Regel beim Austauschen: Dadurch darf keine zuvor mögliche Verbindung zwischen den Nachbarfeldern blockiert werden. Es dürfen lediglich neue Anschlüsse hinzukommen.

Hat ein Spieler die beiden Endpunkte seiner Straßenbahnlinie mit den vorgegebenen Haltestellen auf dem Plan verbunden, beginnt die Jungfernfahrt mit einem kleinen, als Straßenbahn beklebten Holzklötzchen. Dazu gibt das Spiel zwei mögliche Würfelvarianten vor: die einfache mit nur einem Würfel, der das Weiterfahren über bis zu vier Plättchen oder gleich bis zur nächsten Haltestelle erlaubt, und die komplizierte mit drei Würfeln. Jeder dieser Würfel träg verschiedene Symbole – grüne Ampeln für das Vorrücken über ein oder zwei Plättchen, rote Ampeln für das Stehenbleiben, das Haltestellenschild für die Durchfahrt zur nächsten Haltestellen oder das Reparatursymbol, das zur Rückkehr zur vorigen Haltestelle zwingt.
Wer mit seinem Zug an der Reihe ist, würfelt mit allen drei Würfeln, darf sich dann aussuchen, welches Ergebnis er nutzt, und danach mit zwei und schließlich mit einem Würfel weitermachen. Jeder kann also selbst bestimmen, ob er das Risiko eingeht, am Ende mit einem Würfel das Reparatursymbol zu erwürfeln und ihm nicht mehr entgehen zu können. Wer zuerst seine komplette Strecke abgefahren hat, gewinnt das Spiel.

Die Spieltaktik dreht sich darum, möglichst schnell, die eigene Linie aufzubauen und dabei den Mitspielern soweit es geht die Tour zu vermasseln oder dessen bereits gebauten Gleisabschnitte für eigene Zwecke zu nutzen. Allerdings ist das nicht ganz einfach. Denn durch die Vorgabe, dass keine einmal geschlossenen Verbindungen unterbrochen werden dürfen, können die Pläne der Mitspieler kaum jemals ernsthaft gefährdet werden. Größere Schwierigkeiten bereitet da schon das Nachziehen von Plättchen, weil man oft keine verwertbaren Teile auf die Hand bekommt. Viele Weichen und Kreuzungen sind nur in einer Richtung befahrbar oder führen genau dorthin, wo man eigentlich nicht hin möchte. So müssen die Spieler oft große Umwege in Kauf nehmen, um zu ihren geplanten Haltestellen zu kommen.

Der Spielablauf wird letztlich fast vollständig vom Kampf gegen nicht passende Schienenplättchen bestimmt. Das Blockieren des Gegners spielt nur eine minimale Rolle. Dadurch bleibt leider auch die Interaktion zwischen den Spielern gering. Viel häufiger kommt es vor, dass sich ein Mitspieler durch nicht passende Plättchen mitten in der Bauphase festfährt, während andere schon längst ihre Straßenbahn auf der Strecke haben.
Grafisch ist Linie 1 mit den Darstellungen von Verkehrstickets und lustigen Zeichnungen gelungen aufbereitet. Das fertige Gleisnetz mit seinen weit geschwungenen Bögen, Kreiseln und Knotenpunkten sieht auch sehr schön aus. Vor allem bei einigen Kreuzungsplättchen ist es leider etwas schwer herauszufinden, in welche Richtungen die komplizierten Gleisverläufe denn nun durchfahren werden dürfen.

Fazit: Die Spielidee und die Gestaltung von Linie 1 machen einen guten Eindruck. Nur leider kommt selten ein flüssiger Spielablauf in Gang. Es gibt wenig Interaktionsmöglichkeiten und wer andauernd unpassende Schienenplättchen auf die Hand bekommt, ist rasch frustriert.




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