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Markus Heitz' Justifiers - Das Abenteuerspiel
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 05.02.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Markus Heitz, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 338, Erschienen: 2010, Preis: 29,95 EUR


Ein Gespenst geht um in der Rollenspielszene: Die Angst vor dem Aussterben. Das Hobby hat Nachwuchsprobleme und noch wurde keine Lösung für diese gefunden. Mehr und mehr Verlage bieten daher Einsteigersysteme an. Auch viele Rollenspiel-Brettspiel-Hybride wurden zu dem Zweck entwickelt, generell Spielelustigen das besondere Hobby des Rollenspiels nahezubringen.
In diese Kategorie fallen auch die Abenteuerspiele von Ulisses. Nach dem John Sinclair-Abenteuerspiel wurde nun Markus Heitz' Justifiers veröffentlicht. Ob dieses einen Einstieg ins Rollenspiel liefern kann, soll in dieser Rezension genauso ergründet werden, wie dessen allgemeines Erscheinungsbild, das auch erfahrene Rollenspieler begeistern mag.

Was sind eigentlich Justfiers? In der Welt dieses Rollenspiels wird der Weltraum nicht von staatlichen Organisationen einer erleuchteten Föderation erkundet und besiedelt, sondern von Konzernen, die sich davon nur eines versprechen: Geld.
Um dies zu erreichen, haben die Firmen die Justifiers, die ihre Ansprüche durchsetzen. Deren Fußtruppen bestehen aus so genannten Beta-Humanoiden - aufrecht gehende Hybride aus Menschen und anderen Säugetierrassen. Im Regelwerk stehen den Spielern Armadillos (Gürteltiere), Bisons, Eisbären, Füchse, Katzen, Nashörner, Schimpansen, Siberische Tiger, Waschbären und Wölfe als Beta-Humanoidenform zur Auswahl.
Das Interessante an der Sache ist, dass ein von einem Konzern erschaffener Beta-Humanoide vorerst dem Konzern gehört. Erst wenn dieser seinen Erschaffern genügend Geld eingebracht hat, kann er sich seine Freiheit erkaufen. Sobald er sein so genanntes Buyback erwirtschaftet hat, gilt seine Schuld gegenüber dem Konzern für seine Erschaffung als beglichen. Das ganze gibt dem Spiel eine klare Struktur: Die Spieler haben einen unausweichlichen Grund für ihre Abenteuer und dabei dennoch ein Ziel, auf das sie hinarbeiten können. Das ist für Einsteiger sehr nützlich, da dadurch die vielen Möglichkeiten des Rollenspiels auf handhabbare Mengen reduziert werden.
Generell ist die Spielwelt von Justifiers wirklich etwas besonderes. Zwar nicht unbedingt realistisch, aber kreativ, hart und ziemlich abgefahren. Ob einem das gefällt, ist reine Geschmackssache. Geschildert wird sie auf jeden Fall sehr packend; unter anderem mit einer Kurzgeschichte von Markus Heitz. Die wirkliche extreme Häufung englischer Begriffe mag dabei allerdings manche Leute abschrecken.

Um diese Welt dem Einsteiger zugänglich zu machen, bewegt sich das Spiel auf der Grenze zwischen Rollen- und Brettspiel. Zwar ist das so genannte Abenteuerspiel schon eher ein Rollenspiel, verwendet aber mit Markern, Spielplan und Karten eine Vielzahl von Brettspielelementen, die das Spielerlebnis deutlich taktiler machen. Des weiteren arbeitet das Regelwerk mit nur wenigen Werten und verwendet ausschließlich sechsseitige Würfel.
Ob das Regelwerk sich einem Neuling wirklich erschließt, ist eine schwierige Frage. Es bietet sich definitiv dafür an, befreundete Einsteiger ins Rollenspiel einzuführen. Erstrecht, wenn diese ihre Freude an (leicht pulpiger) Science-Fiction haben. Deutlich problematischer dürfte es für jemanden sein, der ohne fremde Hilfestellung einmal ins Rollenspiel hereinschnuppern möchte. Wir Rollenspieler neigen dazu, zu unterschätzen, wie viel komplexer Rollenspielregelwerke im Vergleich zu anderen Spielarten sind. Es muss schon ein sehr motivierter Rollenspielanfänger sein, der sich vor seiner ersten Spielrunde 92 Seiten Regeln durchzulesen bereit ist, selbst wenn es DIN A5-Seiten sind.

Besser steht es da um die Kampagne, die das Abenteuerspiel gleich im Buch mitliefert. Darin wird der Planet Holz 11 durch die Justifiers erkundet und seine Geheimnisse erforscht. Mittels Spielkarten, die den Fortschritt der Erkundung anzeigen, kann der Erfolg in der Kampagne leicht verdeutlicht werden. Diese Kampagne ist sehr einsteigerfreundlich gestaltet und erschließt sich sowohl Spieler- als auch Spielleiteranfängern.

Das ganze Buch ist in vollfarbigem Hochglanz gehalten und zwar etwas spärlich, aber dafür sehr ansprechend illustriert. Die reine Optik des Werkes stellt einen klaren Pluspunkt dar.

Fazit:
Markus Heitz' Justifiers - Das Abenteuerspiel, um hier den kompletten Titel zu verwenden, stellt ein einfaches Rollenspiel mit deutlichen Brettspielelementen dar, mit dem eine spannende Science-Fiction-Welt erlebt werden kann. Komplett in einem Buch inklusive Kampagne bietet es sich an, um unerfahrenen Neulingen den Weg ins Rollenspiel zu weisen. Ob dies auch ohne die Hilfe eines erfahrenen Rollenspielers möglich ist, bleibt jedoch fraglich...




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