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Flames of War – The World War II Miniature Game, 2nd Edition, Hardcover
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 28.05.2010, Serie: Tabletop, Autor(en): Peter Simunovich, John-Paul Brisigotti, Phil Yates, Warren Mahy, Verlag: Battlefront, Seiten: 258, Erschienen: 2006, Preis: 40,- €


Flames of War, oder kurz FoW, versucht die Schlachten des zweiten Weltkriegs ganzheitlich in Form eines Tabletops umzusetzen. Ob dieses engagierte Vorhaben funktionieren kann, wird sich im Folgenden herausstellen.

Diese Spiel in gewisser Weise ein wirklich typisches Tabeltop, andererseits aber auch wieder nicht. Das Rad lässt gerade in diesem Bereich sicherlich nicht neu erfinden, Battlefront wagt aber hier und da ein paar kreative Herangehensweisen, die das Spiel recht abwechslungsreich gestalten.

Aber nun erst einmal zum Aufbau des Regelwerkes. Auf den ersten beiden Seiten finden sich zwei schöne Karten mit den wichtigsten Weltmächten, die sich im Krieg begegneten, sowie deren Gebiete. Danach folgt die generelle Einleitung, welche den Leser knapp Jahr für Jahr über die wichtigsten Ereignisse des zweiten Weltkrieg informiert, darlegt, was man so zum Spielen braucht und wie man sich grob eine Armee zusammenbaut.
Danach werden klassisch, Kapitel für Kapitel alle Schritte beschrieben, welche im Spiel abzuhandeln sind. Darunter fallen natürlich Bewegung, bewaffnete Angriffe, Nahkämpfe und die obligatorischen Moraltests.
Darauf folgend gehen die weiteren Kapitel detaillierter auf die unterschiedlichen Waffengattungen Artillerie, Luftunterstützung und Reconnaissance ein. Es folgenden weitere Spezialregeln zu den verschiedenen Nationen.
Damit wären die Regeln auch schon abgehandelt, wobei diese gut zwei Drittel des Buches ausmachen. Den übrigen Teil füllen hauptsächlich Sekundärinformationen mit diversen Szenarien und Kampagnen, man erfährt aber auch nützliche Tipps zum Thema Modellbau. Soweit erscheint dieses Regelwerk erst einmal äußerst klassisch.

An dieser Stelle soll nicht explizit erklärt werden, wie das Spiel genau funktioniert. Dies würde sicherlich den Rahmen sprengen. Ein paar grundlegende Elemente müssen genügen. Prinzipiell spielt man ein Kommando einer Nation, welches sich aus einem Hauptquartier und darunter befindlichen Platoons zusammensetzt. Dabei wählt man eine Hauptwaffengattung und wählt je nach Laune Unterstützung aus der gleichen oder anderen Waffengattungen (z.B. Infanterie mit Panzerunterstützung) bis eine gewisse Punktanzahl erreicht ist.
Gekämpft wird auf dem Feld strikt nach Reihenfolge. Das heißt jeder Spieler geht für sich alle Spielschritte durch, in welche der Gegenüber nur bedingt reagieren kann. Angegriffen wird immer Platoon gegen Platoon. Ist ein Team (z.B. ein Panzer) des Platoons (z.B. vier Panzer) nicht geschützt, zählt das gesamte Platoon als nicht geschützt. Nach erfolgreichem Angriff teilt der Verteidiger die Schäden zu, kann aber natürlich Rettungswürfe machen.
Skilltests richten sich entweder nach der Ausbildung der jeweiligen Truppen, oder nach deren Einstellung zum Krieg. Diese gliedern sich jeweils in drei Stufen. Jene werden dann noch einmal beispielsweise durch Terrain leicht modifiziert. Die Reichweite der meisten Waffen ist so groß, dass man schnell ins Gefecht gehen kann. Taktisches Verbergen ist also äußerst wichtig.

Das Schöne an dem Spiel ist, dass es mit sehr wenig Zahlen auskommt. Reichweiten von Waffen oder Vehikeln wurden nach bestimmten Maßstäben generalisiert. Gleiches gilt für die Waffengattungen. Somit sind die grundlegenden Elemente reicht einfach zu begreifen, da immer wieder die gleichen Zahlen zum Rechnen verwendet werden. Diese gilt es mit einem oder mehreren sechsseitigen Würfeln zu erreichen oder zu übertreffen.
Für Komplexität sorgen die unterschiedlichen Spezialregeln der Waffen, der Länder, der Waffengattungen, sowie der Kompanien. Diese zu meistern stellt die eigentliche Herausforderung des Spiels dar. Dabei wird schnell deutlich, dass Flames of War mit dieser Strategie ein recht schnell zu erlernendes Spiel für den zweiten Weltkrieg herausgebracht hat, welches dennoch alle Charakteristiken aller nur erdenklichen Truppen realitätsnah abbildet. Vom Einbuddeln, panisch aus dem Panzer rennen, Mörser einschießen, einrauchen und Vehikel aus dem Dreck ziehen ist wirklich alles dabei. Dies ist die große Stärke des Systems.

Das Buch selbst ist eine optische Augenweide. Die Seiten sind in Vollfarbe gestaltet und verdeutlichen die Regeln immer wieder mit schönen, übersichtlichen Schaubildern. Die wichtigsten Regeln, sowie taktische Tipps werden in Kästen hervorgehoben. Flufftext erläutert, warum man die jeweilige Regel so gestaltet hat, während die wirklich spielrelevanten Elemente kursiv gesetzt sind. Das Ganze ist also schön übersichtlich.
Der Fließtext wird zudem immer wieder schön mit historischen Bildern, sowie Großaufnahmen von Orden, Spangen und Waffen aller Nationen nebst Erläuterungen aufgelockert.
Das Englisch ist sehr gut zu verstehen und sollte eingefleischten Tabletoplern keine großen Schwierigkeiten bereiten. Kauft man seine Ausgabe in Deutschland gibt es meist auch noch ein DinA5 Softcoverbuch mit der deutschen Übersetzung gratis dazu.
So gut die Optik ist, so lausig erweist sich die Verarbeitung des Buches. Die Seiten lösen sich schon nach dem zweiten Durchblättern aus der Klebebindung. Dies scheint ein bekanntes Problem bei Battlefront zu sein. Hier muss definitiv nachgearbeitet werden.

Wirklich loslegen kann man mit dem Regelwerk natürlich noch nicht. Wie bei anderen, vergleichbaren Spielen benötigt man Armeebücher, welche bei Flames of War-Schauplätze behandeln (Ostfront, Schlacht um die Ardennen, Afrika usw.). Auch dies sollte von anderen Systemen bekannt sein. Je Buch fallen dann noch einmal 15 bis 30 € an. Je nachdem welche Nation man spielen möchte, kann kann man ab rund 80 bis 100 € eine vollwertige Armee mittlerer Größe bekommen. Dies hängt vom Ausbildungsstand und den eingesetzten Waffengattungen der jeweiligen Kommandos ab. Miniaturen und Armeebücher werden aber hier an anderer Stelle noch ausführlicher besprochen.

Ein absolutes Novum stellt das immense Onlinematerial dar, das Battelfront auf seiner Website flamesofwar.com bereitstellt. Hier finden sich über 400 MB an Hintergrundinfos, Armeelisten, Szenarien und vieles mehr. Hiervon kann sich so manch anderer Tabletophersteller eine dicke Scheibe abschneiden.

Fazit: Flames of War ist ein rasch zu erlernendes, facettenreiches Tabletop, das die Schlachten de Zweiten Weltkriegs äußerst realitätsnah abbildet, dabei aber nicht zu komplex und unbeherrschbar wird. Die schlechte Verarbeitung des Buches ist dabei der einzige Makel, welcher auf den ersten Blick auffällt. Erste Probespiele erwiesen sich als äußerst stimmungsvoll und leicht im Einstieg. Ein Blick auf die Website lohnt sich allemal. Also ab in Bootcamp mit Euch!

P.S. Wer nur einmal reinschnuppern will, kann mit Open Fire auch ein Einsteigerset erwerben.




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