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Geisterjäger, Auf den Spuren des Übersinnlichen
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 10.01.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): Gabriele Hasmann, Verlag: Verlag Carl Ueberreuter Ges.m.b.H, Seiten: 208, Erschienen: 2009, Preis: 19,95 €


Das Übernatürliche erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Neben Magiern, Vampiren und Hexen, die seit vielen Jahren in Buch und Film durch die Welt ziehen, sind es auch Geistergeschichten, die uns mehr und mehr begleiten. Geistertouren in Städten, Bücher über gruselige Häuser und sogar eine eigene Fernsehserie haben Geister mittlerweile. Mit Geisterjäger, Auf den Spuren des Übersinnlichen, hat sich Gabriele Hasmann wieder einmal dem Thema Geister angenommen. War die Wienerin bei vorherigen Büchern zum Thema bereits Co-Autorin, so schrieb sie dieses Buch doch allein.

In Geisterjäger geht es, wie der Name schon sagt, primär nicht um die Geister selbst, sondern um die Personen, die sie aufspüren wollen, die Geisterjäger und deren Erlebnisse. In diesem Fall sind es die Jäger der API, den Austria Paranormal Investigators, einem Verein, der Spukorte untersucht und dabei versucht Geister zu beweisen, mit diesen in Kontakt zu treten und herauszufinden, ob sie böse Absichten haben oder nicht.

Nach einem Vorwort des bekannten österreichischen Schauspielers Karl Merkatz, der von seinen eigenen übersinnlichen Erfahrungen spricht und dabei einige interessante Anekdoten preisgibt, stellt Gabriele Hasmann die unterschiedlichen Spukarten, ortsgebunden beziehungsweise personenbezogen, verschiedene Geisterarten, zum Beispiel Astralgeister und Krisengeister, und Ursachen für Spuk vor. Nachdem diese Grundlagen gegeben sind, dürfen ein paar Spukgeschichten, die eigentlich keine sind, zum Einstieg natürlich nicht fehlen. Die Vorstellung der Geisterjagd und die nötige Ausrüstung ist schließlich der letzte Bestandteil der Einleitung und meiner Meinung nach etwas zu knapp gehalten.

Bevor das Buch schließlich in die wirkliche Geisterjagd der API einsteigt, werden die sechs Basisteammitglieder und ihr jeweiliges Spezialgebiet samt Begabung und Einstellung zur Geisterjagd vorgestellt. Hier finden wir zum Beispiel die skeptische Uschi und die sichtige Melanie.

Dann geht es endlich los, die Geisterjagd beginnt. 13 Orte in Europa verteilt wurden von den API besucht und untersucht und die Kapitel zu diesen Spukorten, zu denen ich gleich noch kommen werde, sind immer gleich aufgebaut. Zuerst wird die Geschichte des Ortes vorgestellt, dann Legenden zum Ort oder zu Personen die dort gelebt haben, die eigentliche Geisterjagd wird beschrieben und schließlich werden die Ergebnisse ausgewertet. Gab es einen weiteren Besuch, werden die letzten beiden Punkte natürlich nochmals dargeboten. Dabei muss gesagt werden, dass alle Geschichten mit Humor und Ernsthaftigkeit gleichermaßen ausgestattet sind.

Alle Untersuchungen möchte ich hier nicht vorwegnehmen, aber ein Beispiel und die Nennung einiger interessanter Orte dürfen natürlich nicht fehlen.
Als Beispiel habe ich den Fall des Luftwaffenoffiziers aus Niersbach gewählt. Der Amerikaner wohnte in einem Haus, das vorher einem Mann mit Vornamen Jakob gehört hat und der nun dort spuken soll. Uschi und Rob, der Amerikaner, sind allein, als der Spuk beginnt und hätte Uschi ihre Aufnahmegeräte nicht dabei gehabt, glauben würde ihr das Erlebte wohl niemand. Nachdem die Sprachbarriere überwunden war, begann Uschi mit den Untersuchungen und auf ihre Fragen, ob denn jemand da sei, kam bald ein Klopfen, worauf Rob erstmal Alkohol ausschenkte. Da dann nichts weiter geschah, begann Uschi ihre Geräte zu verstauen, als plötzlich ein merkwürdiges Licht auf einer Marmorplatte auftauchte, was zu einem erneuten Alkoholausschank führte. Denn Rob war beinahe zu Tode erschreckt und Uschi musste einfach mittrinken. Die Auswertung der Tonbandaufnahmen brachte schließlich zu Tage, dass Rob mit mehreren Geistern zusammenlebt. Videoaufnahmen zeigten Schatten, die durchs Wohnzimmer wanderten. Das Licht wurde leider nicht aufgenommen und bleibt so ein Rätsel. Da die Geister wohl keine bösen Absichten hatten, riet Uschi Rob, das ganze nicht zu eng zu sehen, da die Geister ihn wohl nur ärgern wollen. Ob Rob in dem Haus wohnen blieb oder nicht, ist nicht bekannt.
Neben dieser Geschichte, bei der ich ob des Alkoholgenusses doch ab und an Schmunzeln musste und dann am Ende doch etwas schockiert war, gibt es natürlich noch weit bekanntere Orte. So wurde zum Beispiel Burg Lockenhaus, die Burg der Blutgräfin Báthory, ebenso untersucht, wie auch Leap Castle, die Burg des Musikers Sean Ryan, über den der Leser so einiges erfahren wird.

Zum Abschluss des Buches erzählen die API noch ein paar lustige Anekdoten ihrer Geisterjagden, von dem Wunsch Sessel verschieben zu lassen, wo doch alle Bänke des Raums am Boden verankert sind bis zum Verlaufen im Dunkeln, eben alles, was einem Geisterjäger so passieren kann. Es folgen internationale Links zu interessanten Webseiten über Geister und Geisterjagden, einige Buchvorschläge und Quellen.

Gabriele Hasmann hat ein Talent gruselige Themen und langweilige Berichte von Geisterjägern gut in unterhaltende Worte zu fassen und doch den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu wahren. Der gleich bleibende Aufbau der Kapitel zu den unterschiedlichen Spukorten hilft dem Leser ebenfalls den Geisterjägern zu folgen und mitzufiebern. Ein gut geschriebenes und gut recherchiertes Werk, bei dem nur Karten oder Bilder der Spukorte fehlen.

Fazit: Geisterjäger, Auf den Spuren des Übersinnlichen von Gabriele Hasmann ist ein unterhaltendes Buch über die Jagd nach Geistern im europäischen Raum. Mit einer Portion Humor ausgestattet, die man sonst in solchen Büchern nicht findet, und dennoch wissenschaftlich genug, um auch anderen Ansprüchen gerecht zu werden, wandert der Leser auf den Spuren verschiedenster Geister und Spukorten und erhält einen guten Blick auf das Handwerk der Geisterjäger.




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