Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Belletristik » Das Spiel des Asen

Das Spiel des Asen
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 07.09.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Ulrich Drees, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 479, Erschienen: 2009, Preis: 12,95 Euro


Plötzlich bricht die Magie in unsere ganz normale Gegenwart ein: Dieses Bild ist in der Fantasy-Literatur nicht ganz selten. Der Cyberpunk-Klassiker "Shadowrun" bezieht einen Großteil seiner Faszination aus dieser Vorstellung und auch "Harry Potter" arbeitet mit diesem Topos. Ulrich Drees baut sogar seinen gesamten Roman Das Spiel der Asen um das Wiedererwachen der Magie herum auf. Das Mystisch-Phantastische hat er dabei auch ganz gut im Griff. Nur mit der Realität hapert es ein wenig.

Das Spiel der Asen setzt an verschiedenen Orten mit verschiedenen Handlungsträgern an. Da ist als eigentliche Hauptfigur Ronny, der verzogene Sprössling einer Adelsfamilie, der sich plötzlich seiner magischen Begabung bewusst wird. Thor Bronski arbeitet als eine Art Kopfgeldjäger für übernatürliche Wesen. Hermann Braun schließlich hat als Mitglied des Deutschen Ordens eine Spezialeinheit der Bundeswehr unterwandert, um inmitten der erwachenden Magie Europas im Namen der katholischen Kirche zu kämpfen.

Sie alle werden in das Geschehen rund um ein gewaltiges magisches Ritual hineingezogen. Die Kirchenkrieger versuchen eine magische Pforte zu öffnen, durch die Erzengel in die Realität eindringen können. Dazu bedienen sie sich allerdings heidnischer Magie, wodurch alles gründlich daneben geht. Doch bevor es soweit ist, gilt es Zutaten für das Ritual zu sammeln, von denen einige lebendig sind. Zudem richten ausgebüxte Fabelwesen Verwüstung an, zahlreiche Interessengruppen mischen sich ein und blutrünstige Riesen der nordischen Mythologie tauchen als Goths und Motorradrocker auf.

Das alles ist nach einer etwas länglichen Anlaufphase mit reichlich Action verbunden, und an genau diesen Stellen wird Das Spiel der Asen richtig gut. Kampfszenen, gerne auch etwas blutig, scheinen dem Autor zu liegen. Auch wenn die mythischen Wesen aus dem Ätherreich selbst sprechen und den Fortgang ihrer Intrigen kommentieren, kommt es glaubhaft rüber. Probleme scheint Ulrich Drees dagegen mit unserer Realität zu haben. Da sind einmal die vielen kleinen Unstimmigkeiten. Jagdwaffen mit Magazinen, die an einer Stelle erwähnt werden, gibt es beispielsweise in Deutschland nicht. Auch die Vorstellung, dass ein Polizist offiziell an seiner Bürotür "Verbindungsstelle Verfassungsschutz" stehen hätte, wirkt etwas weltfremd. Weitaus störender ist allerdings, dass das Bild der erwachenden Magie einfach nicht "rund" wird. In den fiktiven Zeitungsartikeln, die immer wieder eingestreut werden, geht es beispielsweise darum, dass die russische Regierung die Magie bereits über Gesetze regulieren lässt. Auf der anderen Seite scheint die Bundeswehr widerstandslos vom Deutschen Orden unterwandert worden zu sein. Im gesamten Roman werden rund ein Dutzend Gruppen genannt, die magisch aktiv ihre Interessen verfolgen; von Neuheiden über Hexen, Freimaurer und Rosenkreuzer bis zu Satanisten. Ja was denn nun? Allgemeiner Schock angesichts einer erschütterten Realität, Winkelzüge unterhalb der Wahrnehmungsschwelle oder munteres magisches Hasch-Mich mit Hilfe staatlicher Stellen?

Außerdem ist da noch etwas, das einen unangenehmen Beigeschmack hinterlässt: Die angeblich "germanische" Götterwelt erfreut sich derzeit insbesondere in rechtsextremen Kreisen großer Beliebtheit. Muss man wirklich einen Fantasy-Roman auf diese Mythologie ausrichten?

Fazit: Das Spiel der Asen ist immer dann stark, wenn geprügelt, gefochten oder aus dem Jenseits geraunt wird. Allerdings dauert es etwas lang, bis die Handlung an den entsprechenden Stationen ankommt und die Roman-Welt wirkt nicht ganz schlüssig. Zudem hätten einige Details besser recherchiert oder auch weggelassen werden können.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.