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Die Bizarre Bibliothek 03. Hörnerschall (Taschenbuch)
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 14.05.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Sarban (John W. Wall), Verlag: Festa Verlag, Seiten: 176, Erschienen: 2003, Preis: 13, 95 €


Fangen wir doch einmal beim Schlusswort an: "Mit dem vorliegenden Buch halten Sie ein außergewöhnliches Werk in Händen, das ganz ohne überflüssiges Pathos auskommt und auf abgedroschenen Sensationalismus verzichtet: kein >>großes<< Buch, wohl aber kleines Juwel." (Hans Gerwin)
Ein Buch gegen den Nationalsozialismus als Teil Festas Bizarrer Bibliothek? Ein kleines Juwel? Da schauen wir doch mal genauer hin.

1952 wurde ein britischer Autor, welcher nur unter seinem Pseudonym veröffentlichte, durch Mundpropaganda berühmt. Der Grund dafür war dieses Buch. Und es fängt ganz beschaulich an, mit einer Diskussion über die Fuchsjagd, wie sie englischer nicht sein könnte. Für und wieder wechseln sich ab bis der Protagonist Alan starr erwidert, dass sich keiner in die Tiere hineinversetzen könne, welche vom Menschen gehetzt werden. Alan ist ein ehemaliger Kriegsgefangener der Nazis, welcher seitdem einen Teil seiner Persönlichkeit eingebüßt hat, doch umso bizarrer erscheint es dem Leser, dass das Konzentrationslager nur einen geringen Teil dazu beigetragen hat. Viel schlimmer erging es ihm erst nach der Flucht. Was mit ihm geschah, mag keiner so recht erklären können, doch der Brite glitt in eine Parallelwelt, in der die Nazis den Krieg gewonnen haben und schon mehr als ein gutes Jahrhundert regieren. Das Resultat ist völlige Dekadenz und immer perfidere Spiele, welche Alan erst neugierig verfolgt. Doch dann wendet sich das Blatt. Was er in dem großen Wald neben Schlossanlage und Hospital erlebt, ist grauenhaft und bizarr, aber zugleich fantastisch . Das Resultat seiner Erfahrungen ergibt ein Gesamtbild, welches zeigt, was hätte sein können, ohne mit dem Zeigefinger zu drohen, ohne den Archetypen eines Nazis in Uniform zu zeigen und immer wieder "Böse, böse Deutsche!" zu brüllen. Ein Buch das zum Nachdenken anregt. Ob es sich dabei um ein Juwel handelt, sollte jeder selbst entscheiden.

Nach Anlaufschwierigkeiten habe ich schnell Feuer gefangen und das Buch verschlungen. Der Autor zeigt, dass sich Systemkritik und Phantastik nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich gut und fesseln den Leser. Wer hier so etwas wie "Vaterland" vermutet, wird aber enttäuscht sein. All zu oft mag man kaum glauben, dass es hier um das Thema Nationalsozialismus geht, doch wenn sich der Kreis schließt, bleibt ein fader Nachgeschmack, der noch lange nachwirkt - und das im positiven Sinne. Eine fesselnde
Geschichte mit tiefen Hintergrund formt einen lesenswerten
Untergrundroman."




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