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Die fabelhafte Welt der Amelie (Le fabuleuy destin d'Amelie Poulain)
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Auditorium, Autor(en): Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet, Verlag: Keine Angabe, Seiten: , Erschienen: , Preis:

Man wird ja schon direkt mißtrauisch, wenn man die sich überschlagenden Kritiken über diesen Film in den Feuilletons liest. Soll da etwa ein französischer Streifen in die vorderen Chart-Plätze gelobt werden?
Wer die bisherigen Filme Jean-Pierre Jeunets gesehen hat ("Delicatessen", "Stadt der verlorenen Kinder", "Alien 4"), kennt den ganz eigenen Stil dieses französischen Regisseurs; opulente Bilder mit kräftigen Farben, skurille Gestalten und wahnwitzige Kameraeinstellungen. Auch Jeunets neuester Film lebt von seiner visuellen Kraft. Handlungsort ist die französische Hauptstadt Paris, genauer gesagt, der Stadtteil Montmartre mit seinen wunderschönen Straßenzügen und Cafes. Es ist eine idealisierte Stadt, ein in warmen, hellen Farben gemaltes Postkarten-Paris ohne Lärm, Schmutz und Verkehr.
Hier arbeitet Amelie Poulain, die Protagonistin des Films, als Kellnerin in einem kleinen Cafe. Amelie, die in einem tristen Elternhaus aufgewachsen ist, ist eine Tagträumerin; sie sieht ihre Welt mit anderen Augen, selbst Alltägliches ist für sie mit dem Schleier des Phantastischen umgeben, und fasziniert beobachtet sie die Schwächen und Marotten ihrer Mitmenschen. Schließlich kommt Amelie auf den Gedanken, sich als eine Art unsichtbarer Schutzengel in das Leben der anderen einzumischen. Sie entfacht die Liebe zwischen der hypochondrischen Zigarettenverkäuferin und einem griesgrämigen Stammgast des Cafes, schreibt der Vermieterin Liebesbriefe ihres vor langer Zeit verschollenen Mannes und bringt den finsteren Gemüsehändler, der seinen Lehrling tyrannisiert, mit Streichen zur Verzweiflung. Und sie selbst erobert das Herz eines verrückten Mannes, der am Fotoautomaten die zerrissenen und fortgeworfenen Paßfotots sammelt.
Daß dieses wunderschöne Märchen funktioniert, ist in erster Linie der hinreißenden Hauptdarstellerin Audrey Tautou zu verdanken - eine sensationelle Schauspielerin, von der man sicher noch hören wird. Die skurillen Einfälle des Drehbuches tun ihr XUUXbriges; unter anderem tritt ein selbstmordgefährdeter Goldfisch auf, und ausgerechnet ein Gartenzwerg, das Sinnbild für Immobilität und Spießertum, begibt sich auf Weltreise.
Das alles ist mit großem Witz erzählt, optisch überwältigend in Szene gesetzt und natürlich nah am Kitsch. Doch niemand wird sich Amelies Charme entziehen können; selten verläßt man das Kino mit einem so rundum positiven Gefühl. "Die fabelhafte Welt der Amelie" ist einfach fabelhaft!




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