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Into the dark
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 29.09.2007, Serie: Auditorium, Autor(en): Andreas Petersen, Per Dittmann und Eva-Maria Irek, Verlag: Erdenstern, Seiten: 79:59 Minuten Spielzeit - 22 Stücke, 12-seitiges Booklet, Erschienen: 2007, Preis: 14,99 Euro


Mittlerweile zum vierten Mal legt Erdenstern einen Soundtrack für Rollenspiele vor. Und nach den Farben grün, rot und blau ist es jetzt "Into the Dark" geworden und öffnet sich so neuen Genres – wie schon der "Cthulhu geeignet"-Aufkleber sowie ein Flyer im Inneren deutlich macht. Natürlich werden aber auch Fantasy-Freunde in ihren dunklen Momenten sowie Jetztzeit-Horrorfreunde angesprochen.

Konzeptionell fußt diese CD auf vier Standbeinen "The Creeps", "Horror", "Confrontation" und "Psychosis" – wie man es auch auf dem Musikworkshop auf der Nordcon darlegte.

"The creeps" steht für die Wendepunkte in der Story. Eben war noch alles normal, doch dann plötzlich merkt man, dass man im falschen Film ist. Der Song "Into the Dark" ist z.B. der Abschied vom Tageslicht und wer erinnert sich nicht an From Dusk till dawn, als die Sonne unterging... "Lost" vermittelt mit seinem Klavierspiel die Atmosphäre eines verlorenen Ortes, vielleicht auch etwas in der Zeit verrückt. Gerade fuhr man noch mit seinem schicken, nagelneuen Benz über die frisch asphaltierte Straße, nun muss man im alten viktorianischen Herrenhaus um Hilfe bitten... "The Cursed" ist ein ruhiges Stück – vielleicht zu ruhig? Ab und an schillert ein leiser Mißton aus der Masse hervor und läßt leichte Unbehagen aufkommen. "Haunted" ist ähnlich ruhig, aber schwillt dann im Lied zu einer spannungsgeladenen Szene an und steht genau für diesen Moment, wo sich die Handlung dreht. Da, wo man die Fangzähne im Mund der alten, harmlosen Oma erkennt und merkt, dass da definitiv nicht nur Süßstoff im Tee war... Mit "Dungeons" bekommen auch die dunklen Orte des Fantasy-Rollenspiels ihren Track gewidmet, langsam und endlos, doch dann kommt da wieder eine Ecke. Genau die richtige Unterlegung zum Dungeneering, wenn Ungewißheit herrscht, was vor einem ist. "Staggering home" ist der Abschlußtrack dieser Erdenstern-CD und läßt die Spieler und Charaktere Freude empfinden, dass man es überlebt hat, gleichzeitig erinnert eine melancholische Melodie auch daran, dass es nicht ohne Verluste war. Traditionell gibt es hier den einzigen echten Gesang als Ausklang der CD, diesmal bewußt traurig und düster.

"Horror" ist dann wesentlich deutlicher – von vorneherein ist klar, dass etwas bedrohliches passiert. Die ganze beklemmende Stimmung geht auf den Hörer über – hier will er nicht lange bleiben. "Evil Overlord" macht gleich klar, dass man nicht nur all seine Kraft braucht, um den Gegner zu überwinden, sondern alle List und Tücke – und eine gute Portion Mut! "Intruder" führt phantastisch-verspielt ein, bis plötzlich dunkle Töne aufkommen – und sofort weiß, dass man durch die falsche Tür gegangen ist. Und von der Atmosphäre der Gefahr steigert sich das Stück durch monotone, anschwillende Töne in ein Horrorkabinett, nur um zum Schluß friedlich abzuschwellen – kurzum, eine echte Achterbahnfahrt der Eindrücke! "Knives, Blood, And Searing Pain" ist die akustische Inkarnation eines bösen Ortes: bedrohliches Anschwillen, tiefe Töne, schräge Geigen, nein, hier will man weg. "Shadows" geht sofort nach Beginn ein paar Oktaven tiefer und dann schwillt weiblicher Gesang an – vielleicht Trauergesang, das letzte was diese Wesen gehört haben? Kann mir gut bei diesem Track vorstellen, wie die Helden alle Ecken und Wände des Raums durchsuchen, während sich in der Mitte die aufgebahrte Leiche ihres Kameraden unbemerkt erhebt... Bei "Hordes of the undead" ist es dann die Masse der Zombies, Ghule oder Skelette, die pures Entsetzen in einen hervorruft... Aber hier findet sich auch ein heroischer Unterton, der immer dominanter wird, vielleicht der Kleriker, der mit der letzten Fackel der Gruppe die Horden auseinanderdrängt!

Der "Confrontation"-Part geht das ganze etwas actionorientierter, direkter an. Hier steht man der Untotenarmee oder gar dem Erzdämon Aug' in Aug' gegenüber – und hat ne Chance. Während man bei "Starting the hunt" noch unverdrossen loszieht, ist bei "Just kill it!" klar, dass das eigene Leben auf dem Spiel steht. Und sollte man es verloren haben, findet zumindest ein letzter "Requiem" statt. "Wild rage" treibt den Spieler vor sich her und ist der ideale Track, wenn die Handlung auf einen Kampf zutreibt oder man auf der Flucht vor einer Horde blutlefzender Wildhundzombies in dunklen Tunneln ist... "Flesh and bones" treibt ähnlich wie der vorgenannte, wenn auch die Atmosphäre nicht ganz so düster ist. Vielleicht sieht man ja Licht am Ende des Tunnels?

"Psychosis" ist dann der Platz für den subtilen, unterschwelligen Horror, der womöglich nur im Geist stattfindet. Die Taverne "The slaughtered Pony" ist kein guter Platz zur Einkehr – womöglich auch nur noch die Ruine einer Taverne, von der man nicht weiß, was die Nacht bringen wird. Der "Circus" war schon immer ein merkwürdiger Ort. Aber auch die klischeehafte Unschuld, das kleine Mädchen oder der Geist der Frau in weiß, bekommen in "Innocence" ihr Thema. "The ritual" oder "Lady of the dark" ergänzen die Tracks mit Situationen und Personen, die für Horror und Dark Fantasy typisch sind. "Traitor" greift eines der Motive der Into the red auf, drängt diese dann aber ins Ungewisse – die Selbstbeschreibung "Zwielicht wird gesäht" trifft es eigentlich sehr gut!

Das Konzept geht durchaus auf, auch wenn die CD nicht wie ihre Vorgänger als lockere Hintergrundmusik taugt, die nacheinander weg gehört werden konnte – obwohl es auch dort schon besser war, gezielt auszuwählen. War es früher Kür, ist es bei der "Into the Dark" im Prinzip Pflicht, da sich die CD-Stimmung oft von normal auf merkwürdig auf spannungsgeladen auf horroresk ändert. Ein Track wie "Circus" passt definitiv nicht in jede Situation und man sollte eben mehr darauf achten, wie man es einsetzt. Da einem dies aber durch Titel, Kurzbeschreibung und drei Attributen sehr leicht gemacht wird – wie bisher auch – sollte das kein Problem sein.

Die Frage ist natürlich auch, passt die Stimmung tatsächlich? In den meisten Fällen ist das so, wobei es ein paar Ausnahmen gibt oder Dinge, die es zu bedenken gilt. "Hordes of the Undead" mutet nach Zombiehorden an, die einen überrennen. Beim Hören fällt dann aber sehr wohl ein heroischer Unterton auf, der dem SL so vielleicht nicht ins Konzept passte. Würde so vielleicht auch besser zum "Confrontation"-Teil passen. Aufgrund des Genres muss man also wirklich mehr aussuchen, was passt zu welcher Situation. Ein anderes Beispiel wäre "Flesh and bones", welches als fremdartige, bedrohliche Versammlung beschrieben wird, für so etwas so stationäres aber sehr dynamisch, treibend ist und wie ich fand im Vergleich zum Vorgängertrack "Wild rage" auch wesentlich heller und nicht fremdartig, bedrohlicher. Ansonsten passen die Beschreibungen aber eigentlich immer wie die Faust aufs Auge, wer es bewußt einige Male durchgehört hat, sollte eigentlich wissen, ob man es so einsetzen kann, wie man es sich gedacht hat.

Das "Nebenbei zum Lesen"-Hören ist sicherlich keine Eigenschaft, die ein Horror-Soundtrack erfüllen sollte. Viele Tracks enthalten die Thematik des Umschwenkens von normaler Atmosphäre in eine außergewöhnliche, bedrohliche Situation, aber auch Kämpfe, Heldentaten, Phasen der Ruhe. Während andere Erdenstern-CDs im gewissen Sinne eine konstante Atmosphäre mit wenigen Wechseln hatte, geht es hier Schlag auf Schlag von der Ruhe zum Sturm und vice versa. Kurzum, nix zum nebenbei laufen lassen, aber hervorragend für den gezielten Einsatz.

Bei der Gestaltung, dem Drumherum, passt alles. Das Booklet ist mittlerweile 12-seitig und farbig gedruckt, wenn auch düster gehalten. Stimmige Computerillustrationen unterstreichen die Atmosphäre, auch wenn schwarz-weiß und echte Fotos hier meiner Meinung nach besser gepasst hätte. Der Preis wurde wieder unter 15 Euro gesenkt (für Vorbesteller gab es die CD gar für 13 Euro inkl. PV) und man bekommt eine randvolle CD - 79:59 Minuten Laufzeit sprechen für sich und könnten manchem Vorbild sein.

Fazit: Erneut eine sehr gelungene Rollenspiel-CD. Nicht jeder Track ist für jedes Genre geeignet und man muss gezielter auswählen, als bei den Vorgängern, dafür aber auch neben dem Fantasy-Genre für alles Düsterere bis zur Neuzeit, beschränkt auch für SciFi, geeignet.

PS.: Die Trackliste mit den dazugehörigen Attributen seitens Erdenstern (also keine Beurteilung meinerseits):

Intruder (4:29) The Gates Have Been Opened — einleitend, dramatisch, treibend
Lost (3:33) Who Or What Has Been Guiding Us? — schwebend, unsicher, unheimlich
"The Slaughtered Pony" (3:13) These Here Are Not Like The Folks At Home — folkloristisch, verstörend, hysterisch
Starting The Hunt (4:30) We Are Prepared — entschlossen, gespannt, offen
Into The Dark (3:26) Don’t Look Back! — drückend, gewaltig, bedrohlich
Innocence (4:07) She Has Got A Secret And We Don’nt Want To Know It — niedlich, unwirklich, verstörend
Wild Rage (3:06) Spilling Blood — hektisch, wütend, tödlich
The Cursed (2:27) Endless Woe And Anguish Among Sinners And Righteous Alike — schmerzvoll, tief, klagend
Flesh And Bones (3:01) There’s More Where That Came From — fremd, bedrohlich, aufdringlich
Haunted (3:32) Something Might Be Wathching Us — schwermütig, geisterhaft, verborgen
Knives, Blod, And Searing Pain (1:41) Terrors Beyond Belief — quälend, düster, eng
Just Kill It! (4:05) Does It Have A Heart To Aim At? — bedrohlich, gewaltig, dramatisch
Circus (3:45) You’ve Never Seen Their Likes Before! — ungewiss, übertrieben, hypnotisch
The Ritual (3:12) Awestruck Or Petrified — monoton, drängend, hysterisch
Dungeons (3:06) Is That You Behind Me? — schwer, ruhig, kalt
Lady Of The Dark (3:38) A Cold And Luring Mistress — mystisch, verlockend, streng
Traitor (4:03) Whose Side Are You On — angespannt, hoffnungsvoll, enttäuscht
Evil Overlord (3:52) Facing The Mighty Enemy — groß, mächtig, böse
Shadows (3:50) Ominous Clouds Above Us — schwer, bedrohlich, drückend
Hordes Of Undead (4:17) Coming Closer At A Steady Pace — martialisch, gewaltig, brutal
Requiem (4:01) Let The Dead Stay Dead — getragen, sakral, trauernd
Staggering Home (4:20) On Safe Ground At Last. Maybe. — melancholisch, abschließend, ungewiss

PPS.: Auf www.erdenstern.com befindet sich die Homepage von Erdenstern – mittlerweile auch in französisch – und auch ein 5-minütiges Medley findet sich dort zum kostenfreien Download: http://www.erdenstern.com/de/intothedark.php




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