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Anima Tactics: Light Faction Starter
Von Marcus Pohlmann

Rezension erschienen: 01.02.2007, Serie: Tabletop, Autor(en): , Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 19,99


Mit Anima Tactics liegt nun, nach dem Kartenspiel Anima - Shadow of Omega, das zweite Spiel der spanischen Cipher Studios vor. Wie auch schon bei dem Kartenspiel liegen die Übersetzung und der deutsche Vertrieb in den Händen von Ulisses Spiele. Das zugehörige Rollenspiel, Anima - Beyond Fantasy, soll in Kürze folgen.

Es handelt sich hier um ein Skirmish-Tabletop-Spiel, bei dem jeder Spieler die Kontrolle über einige wenige Figuren übernimmt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Spielen dieser Art wird gänzlich auf die gewöhnlichen Truppen verzichtet. Es werden ausschließlich mächtige Helden rekrutiert, von denen jeder über besondere Fähigkeiten verfügt, die ihn von den anderen Figuren abheben.
In der Welt von Anima gibt es die drei Fraktionen Licht, Dunkelheit und Neutrale. Diese teilen sich wiederum in acht verschiedene Organisationen auf, denen ein Charakter angehören kann. Bei den Charakteren hat man nun noch die Unterscheidungsmöglichkeit in Kämpfer, Mystiker und Streuner. Man kann seine Truppen aus Figuren der gleichen Fraktion oder Organisation aufbauen und mit neutralen Charakteren ergänzen, um so auf die vorher vereinbarte Stufenzahl zu kommen.

Das Starter Set kommt in einer kleinen, zweiteiligen Kartonschachtel daher, die mit einem Stoffband verschlossen ist. In der Box befinden sich das Regelheft, ein zehnseitiger Würfel, acht blaue Kunststoffmarker, zwei Referenzkarten für die beiliegenden Charaktere, eine Ausrüstungskarte (Heiltrank), eine Plotkarte (Taktik), eine Übersichtskarte über die verschiedenen Aktionen und deren Kosten, eine Karte mit Markern zum selber Ausschneiden und natürlich die beiden Figuren. Mit dem Light Faction Starter erhält man den Kämpfer Kronen und die Mystikerin Evangeline.

Bei der ersten Figur, Kronen, handelt es sich um einen Krieger in voller Plattenrüstung, der mit vorgestrecktem zweihändigen Schwert und wehendem Umhang nach vorne stürmt. Die Figur besteht aus zwei Teilen plus Base. Die zweite Figur, Evangeline, ist eine Mystikerin, deren Kleidung am ehesten einem Nonnen-Habit gleicht. Sie hat eine recht statische Pose, lediglich ihr Haar weht im Wind und verleiht der Figur eine gewisse Dynamik. In ihren gefalteten Händen beschwört sie einen kleinen Vogel oder Schmetterling. Auch diese Figur ist zweiteilig, ebenso wie bei Koren müssen noch die Hände an die eigentliche Figur geklebt werden.

Neben den Figuren liegt das Hauptaugenmerk auf dem Regelheft. Dieses hält sich kaum mit Einführung und Hintergrundinformationen auf, sondern wendet sich direkt dem Spielverlauf und den dafür benötigten Regeln zu. Neben diesem mit vielen Beispielen illustrierten Regelteil gibt es noch einen Abschnitt über die Verwendung von Gelände, drei einfache Szenarien zum Nachspielen und optionale Regeln, wie zum Beispiel die Verwendung eines Spielbrettes mit Rastereinteilung.

Die übliche Spielgröße wird in der Kurzanleitung mit 250 Stufen oder Leveln angegeben. Das heißt, man stellt sich seine Truppe aus vier bis fünf Charakteren, die zwischen 40 und 60 Stufen kosten, und einigen Vorteilskarten zusammen. Bei den Vorteilskarten hat man nun die Wahl zwischen nützlichen Ausrüstungen und Kräften oder aber Plot-Karten, die im späteren Spielverlauf massiven Einfluss nehmen können. Die Vorteilskarten können während des eigenen Zuges gespielt werden, wie der Heiltrank, um verlorene Lebenspunkte wieder aufzufrischen, oder aber zu einem auf der Karte vorgegebenen Zeitpunkt, wie die Plot-Karte Taktik, mit deren Hilfe man die Aufstellung seiner Figuren nachträglich verändern kann.
Jede Figur hat sieben Werten die sie charakterisieren, darunter Angriff, Schaden, Schnelligkeit und Lebenspunkte. Für eine erfolgreiche Aktion muss entweder die Fähigkeit plus das Ergebnis eines W10 ein fixes Ergebnis erreichen oder aber den Vergleichswurf des Gegners übertreffen.
Durch einen Würfelwurf wird der Startspieler ermittelt, der alle gewünschten Aktionen einer Figur ausführt und mögliche übrig gebliebene Aktionspunkte für einen späteren Zeitpunkt aufspart. Danach ist der zweite Spieler an der Reihe mit einem seiner Charaktere zu handeln.
Ein zentraler Punkt des Spielprinzips bei Anima Tactics sind die schon erwähnten Aktionspunkte, die den verschiedenen Figuren zur Verfügung stehen. Mit diesen Punkten hat der Charakter die Möglichkeit Aktionen wie Angreifen oder Rennen und Reaktionen, beispielsweise Ausweichen oder Gegenangriff, auszuführen. Neben diesen Standardaktionen, die jeder Figur zur Verfügung stehen, gibt es auch ein oder mehrere spezielle Fähigkeiten, Zauber oder Kampftechniken, die nur von einem Charakter genutzt werden können. Die verbrauchten Aktionspunkte regenerieren sich am Anfang jeder Runde nur langsam, man ist also gezwungen seine Aktionen schon ein im Voraus zu planen, so dass nicht mitten im Kampf die Puste ausgeht. Sollte ein Charakter seine kompletten Lebenspunkte verlieren, so stirbt er und wird aus dem Spiel entfernt.

Die Regeln sind leicht verständlich, wozu die gute Übersetzung und die Beispielillustrationen einen Großteil beitragen. Leider wird im begrenzten Rahmen des Regelheftes nicht näher auf den Hintergrund der Spielwelt und die verschiedenen Organisationen eingegangen. Die Aufmachung und Gestaltung des durchgängig farbigen Regelheftes und besonders der Box sind hochwertig und heben sich optisch stark von den üblichen Boxen der Konkurrenz ab. Der Stil der Illustrationen ist weniger realistisch, eher comichaft und vergleichbar mit der Computerspiel-Reihe "Final Fantasy", aber durchweg gelungen und stimmig.
Die beiden Figuren haben die üblichen Gussgrate, diese sind aber problemlos zu entfernen und beeinträchtigen nicht die Details der Figuren. Auch der Zusammenbau stellt keine wirklichen Herausforderungen dar. Die Klebeflächen sind ausreichend groß, so dass man auch auf das Stiften der Figuren verzichten kann. Die Posen sind dynamisch und orientieren sich stark an den dazugehörigen Zeichnungen auf den Referenzkarten.
Das Spiel selbst gewinnt durch die vielen möglichen Aktionen der Charaktere und deren Kombination an spielerischer Tiefe. Zusammen mit den Ausrüstungs- und Plotkarten lässt sich diese noch weiter steigern und ermöglicht so dem Spieler immer neue Zusammenstellungen um den Sieg davon zu tragen und die besten Synergieeffekte zwischen den Charakteren zu nutzen.
Für Freunde kleiner, übersichtlicher Tabletops ist Anima Tactics auf jeden Fall eine Option. Bei größeren Figurenanzahlen dürften die Spielbarkeit und Übersicht allerdings stark leiden. Trotz der momentan recht überschaubaren Figurenauswahl verliert es auch nach mehreren Spieldurchgängen nicht seinen Reiz. Zudem halten sich durch die geringe Figurenanzahl auch die Anschaffungskosten in einem überschaubaren Rahmen. Anima Tactics ist für mich sowohl vom Optischen als auch vom Spielerischen her ein Highlight des noch jungen Jahres 2007.




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