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Mörderische Dinnerparty: Tod im London-Express
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 13.12.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Christiane Fux, Verlag: Blaubart Verlag, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 34,90 Euro


Großbritannien, im Winter des Jahres 1936. Per Express-Zug reist eine illustre Gesellschaft aus den verschiedensten Kulturkreisen nach London, um der baldigen Krönung des neuen britischen Oberhauptes, Edward VIII., beizuwohnen. Doch mitten auf der Strecke hält der Zug an: ein entwurzelter Baum hat die Strecke blockiert. Aber nicht nur das, wenig später wird die Leiche des Schaffners aufgefunden – erschossen in seinem Abteil. Der Mörder weilt noch immer im Zug und muss enttarnt werden, bevor der Zug weiterfahren kann und in London eintrifft. Keine leichte Aufgabe für die Spieler, die in Tod im London-Express die Rollen der Fahrgäste übernehmen. Bis zu acht Teilnehmer können an der Mörderischen Dinnerparty teilnehmen, und einer von ihnen ist definitiv der Mörder. Wird er unentdeckt bleiben, oder können ihn die anderen Mitspieler stellen?

Spielablauf

Eine Mörderische Dinnerparty will gut vorbereitet sein. Zunächst werden die dem Spiel beiliegenden Einladungen im besten Fall ein bis zwei Wochen vor dem Spielabend an alle Teilnehmer geschickt. Jeder kann sich so mit den Spielprinzipien und seiner Rolle vertraut machen. Informationen über den eigenen Charakter und kurze Beschreibungen der anderen Personen sind jeweils beigefügt. Wer sich entsprechend seiner Rolle verkleidet und als Oberst Mc Pomm im Kilt oder als Gräfin Zobel mit Pelz (natürlich keinem echten) erscheint, wird die Atmosphäre steigern können. Noch mehr als die Spieler sollte sich der Gastgeber auf den Abend vorbereiten. Obwohl auch dieser einen Fahrgast übernehmen kann und aufgrund der Trennung in Spielanleitung und Charakterinformationen auch nicht mehr weiß als die anderen Spieler, hat er doch einiges an Planung zu leisten. Die dem Spiel beigefügten Tischkärtchen sind aufzustellen, der Raum zu schmücken, das Dinner vorzubereiten und passende Musik aufzulegen. Mörderische Dinnerparty lässt den Gastgeber hier aber nicht im Stich und liefert neben dem benötigten Spielmaterial auch noch zahlreiche Tipps, die von passenden Speisen bis hin zur musikalischen Untermalung reichen. Notwendig ist dies alles nicht, aber der Stimmung wird es ungemein dienlich sein, wenn sich alle Teilnehmer in die 1930er zurückversetzt fühlen.
Bevor der Abend richtig losgeht, stellen sich zunächst alle Teilnehmer kurz vor. Dank der entsprechenden Rollenbücher werden unerfahrene Spieler an die Hand genommen und können immer wieder einen Blick in die Unterlagen werfen. Die Profis versuchen natürlich, auf Basis der ihnen vorhandenen Informationen, möglichst frei zu sprechen und zu improvisieren. Das Spiel selbst läuft in mehreren Runden ab. Jede Runde wird durch ein entsprechendes Menü begleitet, von der Vorspeise über das Hauptgericht bis zum Dessert. Darüber hinaus bringt die Detektivin Poiret, die auf der dem Spiel beigelegten Audio-CD nach und nach neue Hinweise gibt und den ein oder anderen Teilnehmer belastet, neue Diskussionspunkte ein. Darüber hinaus werden pro Runde einige Umschläge geöffnet, auf denen weitere Hinweise über die Teilnehmer zu finden sind. So gilt es, sich bei den folgenden Tischgesprächen so gut wie möglich in seine Rolle zu versetzen, die anderen Mitspieler auszuhorchen und zu belasten, aber auch selbst die Anschuldigungen zurückzuweisen. Da der Spieler, der den Part des Mörders übernommen hat, auch erst am Ende in seinen Unterlagen erfährt, wer der Täter ist, kann er sich nicht verplappern und das Spiel damit vorzeitig beenden. Das macht zwar durchaus Sinn, nimmt aber auch ein wenig den Reiz, als Mörder aufzutreten. Denn wer nicht weiß, dass er der Täter ist, muss sich dahingehend auch nicht mehr verteidigen als die übrigen Mitspieler.
In der letzten Runde, nach den Schlussplädoyers, schreibt nun jeder Spieler seinen Verdächtigen auf. Die Detektivin Poiret hat den Fall natürlich auch gelöst und benennt auf dem letzten Track der Audio-CD den Mörder und den Tathergang. Ob man mit der Detektivin übereinstimmt, ist dabei schon fast nebensächlich, denn solange der Abend an sich ein Erfolg gewesen ist, wird die richtige Schlussfolgerung nur das Sahnehäuptchen sein.

Aufmachung

Tod im London-Express kommt in einer großen Papp-Schachtel daher. Das beigefügte Material ist umfangreich und optisch hübsch gestaltet. Allerdings ist in der Packung angesichts des Inhalts, das nun einmal aus einer flachen CD und zahlreichen dünnen Rollenheften, Hinweisen und Tischkarten besteht, mehr als überdimensional. Eine kleinere Box wäre um einiges Platz sparender und effektiver gewesen.

Fazit

Das Spielprinzip selbst ist überaus unterhaltsam. Mit einer Mischung aus Party- und Rollenspiel, garniert mit einem hoffentlich perfekten Dinner, bleibt der Abend noch lange in Erinnerung. Zu gegebenen Anlässen, etwa einer Geburtstagsfeier, stellt Tod im London-Express eine willkommene Abwechslung dar. Die Auflösung ist weitgehend schlüssig und nachvollziehbar, allerdings haben einige Spieler aufgrund der ihnen vorliegenden Informationen deutlich größere Chancen, den Mord aufzuklären. Einige andere, sofern sie nicht auf jedes noch so kleine Detail geachtet haben, müssen eher raten, wer der Mörder ist. Da der Mord nur einmal aufgeklärt werden kann, lässt sich die Mörderische Dinnerparty im Grunde nicht wiederholen. Es sei denn, man stört sich nicht daran, die Lösung bereits zu kennen, und legt den Schwerpunkt auf die Ausgestaltung der Rollen. Dennoch, das einmalige Erlebnis ist seinen Preis wert und wird lange in Erinnerung bleiben.




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