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Kolumne Im Gespräch
The Psychedelic Avengers - Das Exklusiv-Interview
von Markolf Hoffmann
24. März 2006

Zum Releasetermin der neuen Psychedelic Avengers-CD ("The Psychedelic Avengers and the Decterian Blood Empire) haben wir der kruden SF-Elektro-Formation ein paar kritische Fragen gestellt. Timo Lommatzsch und Sven Misullis haben aus den Weiten der Galaxis geantwortet.

LORP: Wie sieht denn eigentlich ein Decterianischer Blutdämon aus?

Timo Lommatzsch: Nun, zuerst einmal ist es wichtig zu wissen: bei dem was wir gemeinhin als "Decterianischen Blutdämonen" bezeichnen, handelt es sich zwar im weitesten Sinne der Definition um ein Lebewesen, vielmehr aber noch im eigentlichen Sinne um eine genetisch konstruierte, in Labors hergestellte Waffe. Diese "Waffe" kann natürlich, sicherlich modifiziert werden. Es gibt da diverse Überlieferungen und Augenzeugenberichte, die uns zu dem Schluß kommen lassen, dass es verschiedene Formen, Arten, Rassen von Decterianischen Blutdämonen gibt. Die bekannteste ist die eines "menschengroßen, blutroten Schattenwesens, welches energetisch flimmert."

LORP: "The Psychedelic Avengers and the Decterian Blood Empire" ist eure zweite CD, oder vielmehr, euer zweiter assoziativer Soundtrack zu einem wirren Sci-Fi-B-Movie, den es gar nicht gibt. Wie entstand die Idee zu diesem Projekt, und welche Filme oder literarischen Vorlagen standen Pate für die "Psychedelic Avengers"? Ich selbst fühlte mich ja bei der ersten CD an Douglas Adams erinnert ...

Timo Lommatzsch: Die Grundidee zum ganzen The Psychedelic Avengers Projekt entstand daraus, dass ich halt mit vielen befreundeten Musikern gerne mal ein Projekt zusammen machen wollte. Dabei wollte ich auch bewußt fördern, dass Leute aus unterschiedlichen musikalischen Genres an einzelnen Tracks zusammenarbeiten. Der große gemeinsame Nenner von allen Beteiligten war/ist die Liebe zur Science Fiction und zur psychedelischen Musik, in all ihren Ausgestaltungen und Erscheinungsformen. Zusammengewürfelt mit meiner Vorliebe zu SF-Hörspielen und Filmsoundtracks und musikalischen Inspirationen wie Nektars "Journey to the Centre of the Eye" entstand schnell der Plan, einen Soundtrack zu einem imaginären SF-Film zu schaffen. Alles weitere entwickelte und vertiefte sich dann während der Produktion. Literarische Inspirationen waren ganz klar der von dir angesprochene Douglas Adams, aber auch vor allem Perry Rhodan, Stanislaw Lem, Philip K. Dick, Battletech-Romane, Robotech/Macross und vieles weitere ...

Sven Missulis: ...auf jeden Fall auch der Charme vieler 70er Science Fiction Filme wie z.B. Star Wars 4 - 6, Buck Rogers oder Kampfstern Galactica. Damit bin ich sozusagen aufgewachsen...ich war als Kind verrückt nach solchen Filmen. Als literarische Inspiration möchte ich für mich auf jeden Fall noch "Reise zum Mars" von Eric Idle erwähnen. Auf anderer Ebene auch die Einflüsse von Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, wie u.a. die Geschichte von Ernest Shackelton und seiner Manschaft (635 Tage im Eis von Alfred Lansing) oder Sturz ins Leere (von Joe Simpson). Solche Berichte faszinieren mich und haben mich auch für die Psychedelic Avengers inspiriert. Zum Teil habe ich mich auch von Computerspielen inspirieren lassen, auch wenn ich sehr wenig spiele. Da wären z.B. Clive Barker´s "Undiying" oder "System Shock". Insbesondere geht es mir bei Spielen um die Stimmung, die sie erzeugen, um bestimmte Szenen, bei denen ich mir dachte: Wow! Machmal haben mich solche Momente auch sofort dazu inspiriert, an einem Song weiter zu arbeiten, indem sie mich eben in eine gewisse Stimmung gebracht haben, die für den Song die passende war.


LORP: Warum wurde die zweite CD gleich ein Doppelalbum? Zuviele Ideen oder Angst vor der Verdichtung?

Timo Lommatzsch: Das hat sich eher per Zufall so ergeben, war also auf keinen Fall geplant. Auf einmal waren halt so viele Musiker und Bands dabei und wir hatten so viele gute Soundbeiträge und Songs, die wir auf keinen Fall weglassen wollten und konnten, dass wir gar nicht anders konnten als eine Doppel CD zu machen.

LORP: "... and the Decterian Blood Empire" unterscheidet sich in vielen Punkten von der ersten CD. Die Stimmung ist ernsthafter, auf allzu wilde Samples habt ihr diesmal verzichtet, und statt dem Elektro-SF-Trash des Vorgängers überwiegen diesmal die härteren Rock- und Noisepassagen. War das Absicht? Und wie kam es zu diesem feinen, aber spürbaren Stilwechsel?

Timo Lommatzsch: Also das kann ich eigentlich so gar nicht nachvollziehen. Aber das hängt ja auch immer zum großen Teil von den eigenen Assoziationen und Hörgewohnheiten ab und so. Ich glaube schon, dass es gewalttätiger, ernster, vielleicht sogar brutaler ist, stellenweise, an anderen Stellen aber doch schon wieder sehr humoristisch und sich selbst persiflierend. Es sind auch definitiv mehr "Rocksongs" dabei, mehr richtige Schlagzeuge und so, aber ich persönliche finde auch noch reichlich Elektro-SF Elemente, Soundscapes und mit Sicherheit mehr Samples als bei der letzten. Aber es ist sicherlich songorientierter diesmal. Aber naja, immer persönliche Empfindungs- und Rezeptionssache das Ganze, denke ich.

Sven Missulis: Viele kleine Feinheiten wie z.B. Samples oder gewisse Sounds haben wir diesmal noch besser versteckt.



LORP: Auch der Textanteil ist auf der neuen CD höher. Es wird mehr gesprochen und gesungen, und den Epilog übernimmt gar die Trashlegende Knarf Rellöm. Führt dies nicht ein wenig das Prinzip eines "movie for inner-listening" ad absurdum?

Timo Lommatzsch: Ja und Nein. Es ist nicht mehr so frei, weder für den Hörer noch für die Musiker. Durch die konkret vorgegebene Geschichte hatten die Musiker nicht nur vage Szenen und Gefühlsbeschreibungen, wie bei der ersten CD, sondern konkrete Ereignisse, Personen, Landschaften, die es zu vertonen galt. Vielleicht ist das Ganze deshalb auch songorientierter, "präziser" geworden. Der Hörer wird natürlich dadurch auch gelenkt, mehr "an die Hand" genommen. Allein schon durch die Rahmenhandlung, aber auch durch die Texte. Die Bilder und Ausformulierungen, das Zusammenfügen des Films im Kopf macht er aber immer noch selber und hat da recht viel freien Spielraum, denke ich. Wir liefern diesmal nur eine ausgeprägtere Assoziatonskette als Basis, könnte man sagen.

LORP: Wie kommt man eigentlich auf Songtitel wie "Mit dem Polyphonen Herold durch den Chromatischen Äther" oder "Dr. Bregury accidentally slips, Cervil voluntary trips, Franky astonishingly lits and the Memeron finally fits"?

Timo Lommatzsch: Zum einen ergeben sie sich direkt aus der Rahmenhandlung bzw. Hintergrundstory, wie z.B. beim "Polyphonen Herold", denn die Geschichte stand ja diesmal komplett vor den Songs. Zum anderen hat man auch beim Entwickeln der Story natürlich gedacht, ah da könnt man geil so einen Songtitel in die Richtung machen, wenn da jetzt das und das passiert oder die Person so und so heißt. Und dann hat das natürlich auch viel mit unseren Inspirationsquellen und meinem Hang zum gepflegten Wortwitz zu tun.



LORP: Der Perry Rhodan-Autor Leo Lukas hat im Booklet seine eigene Version der Geschichte eures Albums vorgelegt. Ist diese fragmentarische Erzählung eure Vorlage gewesen oder eine mögliche Interpretation des Albums?

Timo Lommatzsch: Also es war so, dass es die Grundgeschichte als Idee gab. Aber als große Idee ganz grob umrissen mit genug Stoff für eine epische Space Opera in 6 Bänden in verschiedenen Galaxien, Zeiteben etc. pp. Die Musiker haben diese Idee skizziert bekommen und verdichtet auf konkrete Handlungsabschnitte, Ereignisse, Kapitel. Und Leo Lukas hat daraus seine Bookletstory entwickelt, destilliert, kreiert. Das Ganze hat sich dann gegenseitig befruchtet. Mal sehen, wie es da weitergeht, auch mit dem Geschichtenprojekt; die Entwicklung der gesamten Geschichte, unseres Psychedelic Avengers Universums, ist noch lange nicht abgeschlossen. Und wir suchen gerne noch Leute, die mitgestalten wollen.

LORP: "The Psychedelic Avengers" setzen sich ja aus mehreren Bands und Gruppen zusammen, auch Solokünstler und Kooperationen finden sich in der Liste der Mitwirkenden. Auch scheinen ja nicht nur deutsche Musiker und Soundtüftler mit euch in den Weltraum vorzustoßen. Wie organisiert man ein solches Projekt?

Timo Lommatzsch: Mit viel Zeit, Internet, guten Kontakten, gepflegten Adressbüchern, vielen Telefonaten, Emails, Päckchen, wenig Schlaf, einige Leute die in diversen Bereichen viel helfen, indem man das Ganze auch stellenweise sich selbst bzw. den jeweiligen Künstlern überlässt und mit Freunden, die sehr gute Ahnung von Kompatibilität von Daten und Audiofiles auf den verschiedenen Systemen haben.

LORP: Im letzten Jahr habt ihr auf der "Insel" in Treptow/Berlin ein fulminantes Konzert gegeben. Ich konnte leider nicht dabei sein - wie war es eigentlich? Und wird es in absehbarer Zeit weitere Auftritte der Psychedelic Avengers in Berlin oder in anderen Städten geben?

Sven Missulis: Das Festival war grossartig. Wir konnten, wie schon auf den CDs, musikbegeisterte Leute finden, die mit ihrem Programm den Abend sehr bunt gestaltet haben. Wir hatten Vorträge von Berhardt Kempen über SF im Techno, oder Dr. J.E. Blutbath der uns den at-hx9 näher brachte, dazu Bands aus dem Psychdelic, Rock, Industrial, bis hin zu Singer/Songwriter... DJs mit älteren, selten verrückten Sachen, bis hin zu feinstem, aktuellem Elektro. Die Psychedelic Avengers werden wieder auftreten, nur werden wir das Prinzip überarbeiten. Bei den letzten Auftritten haben wir uns an der ersten, sowie auch schon an der neuen CD orientiert, d.h. dass wir z.t. Spuren und Samples von den CD Versionen mit eingebaut haben, und das ganze in abgewandelter Form live präsentiert haben. Wir möchten es für die Zukunft jedoch viel freier gestalten. Wenn wir die Zeit finden, werden wir uns darüber mal intensiver Gedanken machen und uns in den Proberaum verziehen. Bisher ist aber noch nichts Genaues in Planung.



LORP: Zuletzt noch: Wie wird es weitergehen? Welche Abenteuer warten "dort draußen" noch auf die Crew der Psychedelic Avengers? Welche neuen Universen werdet ihr ansteuern, und wird es ein neues Album geben?

Timo Lommatzsch: Es wird weitergehen, definitiv. Aber in dieser Form scheint uns das Konzept der musikalischen Herangehensweise mit diesem Doppelalbum erschöpft und ausgelotet. Wir haben zwei verschiedene Ideen für Album III und IV, diese brauchen aber beide noch viel mehr Zeit und Aufwand, so dass der dritte Teil sicher wieder mindestens zwei Jahre auf sich warten lassen wird. Aber das wird dann was ganz anderes, aber auch im Psychedelic Avengers Universum natürlich, lasst euch überraschen. Und bis dahin wollen wir einfach auch mit dem Kurzgeschichtenprojekt unser Universum, unsere Space Opera weiter mit Leben füllen ...

LORP: Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten – und guten Flug!

Die Redaktion LORP.de hat bereits Gelegenheit gehabt sich die neue CD einmal anzuhören. Eine Rezension der neuen Doppel-CD findet sich hier. Weitere Informationen zu den Psychedelic Avengers gibt es im Internet unter www.psychedelicavengers.de.

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