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Spiel 05 Kompakt – Teil 2 des Messerückblicks von Fidelio Federspitz
von Jan-Hendrik Strenzke
6. Dezember 2005

Willkommen zurück, liebe Leserinnen und Leser,
schön, dass Ihr Euch auch noch für den zweiten Teil meines Messerückblicks interessiert. Ich hoffe, Ihr habt in der Zwischenzeit reichlich Gebrauch gemacht von der Möglichkeit, Euch auf den Seiten der LORP über die verschiedenen Neuheiten zu informieren. So leset nun, was mir sonst noch so aufgefallen ist auf der Spiel 2005!
 
Was waren eigentlich die Highlights ?
 
Auf der Spiel 05 gab es wieder eine Vielzahl von hervorragenden Neuheiten und auch so manches ältere Schätzchen wurde neu präsentiert. An erster Stelle muss man hier natürlich das Spiel des Jahres, "Niagara", aus dem Zoch Verlag nennen. Ein innovatives Spielkonzept – Edelsteine hamstern und auf einen Wasserfall zupaddeln – sowie eine geniale Aufmachung, bei der sogar die Schachtel zu was nutze ist, haben da wohl die Jury überzeugt. Putzigerweise hörte man jedoch von einigen Spielern, die es sich bei Zoch gemütlich gemacht hatten, dass das ebenfalls zum Testen angebotene "Manila" aus dem Vorjahr eigentlich noch besser sei. Na ja, wahrscheinlich ist Manila damals neben der Biergarten-Wirtschaft bei "Goldbräu" einfach nur nicht richtig bemerkt worden. Schade eigentlich – ein echtes Highlight, das man leider nur sporadisch im Handel findet.
 
Eine der unterhaltsamsten Neuheiten fand sich am Stand von Goldsieber, "Pecunia non olet" (Geld stinkt nicht). Hier durfte man als altrömischer Latrinenbetreiber versuchen, ein kleines Vermögen zu erwirtschaften. Vom Senatoren bis zum Sklaven ging hier jeder seinem Geschäft nach – Frauen natürlich auch zu zweit – und diverse Ereigniskarten sorgten für zusätzliche Erheiterung. Wer allerdings auf die Idee gekommen ist, braune Holzstifte als Marker für die Verweildauer auf dem Donnerbalken zu nehmen, hat schon einen etwas speziellen Humor. Insgesamt ein schnelles und launiges Spielchen. Wie kommentierte es doch ein Testspieler am Nachbartisch? "Geile Scheiße!" – wenig gewählt formuliert, aber ziemlich auf den Punkt.
 
Überraschendes gab es dann noch bei Phalanx Games, die gleich zwei Neuheiten anboten, die entgegen der Gewohnheit beide über sehr kompakte und gut verständliche Spielregeln verfügten. Zum einen war da "Packeis am Pol", ein unterhaltsames Spielchen, bei dem Pinguine über Eisschollen flitzen und Fische sammeln. Zum anderen ein eher Phalanx-typisches Spiel, "Mesopotamien", das von seiner Grundfaszination beinahe an Klassiker wie die Siedler von Catan heranreicht. Wo ersteres ganz nett für Zwischendurch ist, stellt letzteres ein echtes Highlight dar. Nur Schade, dass die Stärke des Verlags in der Spielgestaltung aber nicht in der Preisgestaltung liegt.
 
Wer ordentlich was haben wollte für sein Geld, der musste wie üblich zu Eagle Games gehen. Bei deren Neuheiten ist man ja stets geneigt, einen Preis pro Kilo anzugeben. Mit "Conquest of the Empire" und "Railroad Tycoon" gab es jedenfalls zwei phänomenal ausgestattete Neuheiten, die zusammen locker drei Hantelpaare ersetzen könnten. Bedauerlich war nur, dass man diese Spiele kaum ausprobieren konnte, da die Testspieler immer fast einen halben Tag am Tisch saßen. Eindeutige Highlights der gehobenen Gewichtsklasse für Leute, die komplexe Strategiespiele mögen.
 
Der Hans im Glück Verlag bewies in diesem Jahr, dass er sich nicht nur auf Erweiterungen und Ableger für und von Carcassonne versteht, sondern auch darüber hinaus noch andere faszinierende Spiele zu bieten hat. Mit "Hazienda", einem komplexen Spiel um Ländereien und Viehwirtschaft in Südamerika, war diesmal ein echtes Highlight im Programm. Man darf gespannt sein, ob es dem Verlag auch gelingt, dieses Spiel so bekannt zu machen, dass es nicht nur interessant sondern auch erfolgreich wird.
 
Neben den bisher genannten gab es natürlich noch eine Vielzahl weiterer gelungener Spiele zu bestaunen, die man gar nicht alle vorstellen kann ohne den geneigten Leser zu langweilen. Es war jedenfalls wirklich für jeden Geschmack etwas dabei, sei es nun Skurriles wie "Fiese Freunde Fette Feten", Anspruchsvolles wie "Pünct", Phantastisches wie "Helden in der Unterwelt" oder Familientaugliches wie "Aqua Romana". Reichlich Auswahl also, um ausgiebig zu shoppen…

 
Schnäppchen jagen oder gleich verzagen?
 
Die Jungs vom Heidelbeer-Verlag (Name aus Rücksicht auf den Aussteller geändert) hatten mal wieder ihr berüchtigtes Schnäppchen-U aufgebaut, in dessen Gang man zwar kaum atmen aber allerlei Restposten und Neuheiten erstehen konnte. Das Konzept dieses Standes beeindruckt einen ja jedes Jahr auf’s Neue. An den jeweiligen Ein- und Ausgängen (insgesamt zwei) findet man Spiele, die man schon lange nicht mehr gesehen hat (wenn überhaupt!) zu Preisen, bei denen man fast nicht nein sagen kann. Und außerdem bekommt man bei Erreichen bestimmter Mindestmengen auch noch Spiele für lau dazu, die man sonst auch nicht gekauft hätte. Faszinierend, wie der geneigte Vulkanier sagen würde. Und im Mittelstück des U entdeckt man dann auch beinahe alle Neuheiten zu Preisen, wie man sie später wohl auch im Laden finden wird. Aber wenn man sowieso schon drei Schnäppchen in der Hand hat und auch noch was dazu bekommt, dann nimmt man auch diese direkt vor Ort mit. Soweit die Theorie und auch die durchaus gängige Praxis. Zudem sei angemerkt, dass man wirklich ein paar Top-Spiele wie z.B. Keythedral für kleines Geld dort finden konnte und das Standpersonal angesichts des Andrangs und der ob der Enge teilweise doch recht ungehaltenen Kunden phänomenal freundlich war. Darüber hinaus hatte man im Gegensatz zu früheren Jahren diesmal am Wochenende begriffen, dass ein Einbahnstraßensystem das Chaos erheblich reduzieren könnte und einen kaum zu sehenden handschriftlichen Hinweis am Eingang zum U angebracht. Tja, so entwickelt sich eben alles weiter auf der Spiel...
 
Interessant war, dass man bei Abacus und Rio Grande Games so manche Neuheit auch auf Englisch fand und das zu durchaus respektablen Preisen. Zudem hatten es diesmal auch ein Vedes-Ableger und ein Galeria Kaufhof-Stand in die Hallen geschafft, letzterer sogar mit der gewohnten, hübsch-heimeligen Kaufhaus-Atmosphäre. Dazu die üblichen Verdächtigen vor den Wänden und in den Ecken sowie an neuer Stelle auch die Gebraucht-Spiel-Händler. Paradiesische Zustände, wenn man denn erst mal wusste, wo man ein abgegriffenes Hero Quest für viele Taler erstehen konnte. Den unfreiwilligen Ausflug in die ebenfalls umgelegte Hüpfburg-Halle nahm man dabei gerne in Kauf, vor allem wenn man sah, dass dort die Schlangen an den Futterständen noch recht kurz waren...

 
Vom Brezelbäcker zum Millionär?
 
Ja, das Essen ist in Essen immer so ein Thema. Da gibt es viele wenig leckere Sachen, aber die kosten dann wenigstens viel Geld – soweit das Konzept des integrierten Messe-Caterings. Aber zum Glück waren da ja noch die vielen kleinen, mehr oder weniger unabhängigen Stände, an denen man morgens seinen Kaffee bekommen konnte und die einen auch sonst mit allerlei Leckereien versorgten.
Zunächst einmal wäre da der Klassiker – die Laugenbrezel. Wohlschmeckend, nahrhaft und im Gegensatz zu den meisten anderen Dingen auch recht preiswert. Es gab sie in allen Hallen an allen Ecken und Enden der Messe. Besorgte Brezelbäcker hatten ihr Backwerk sogar vorsichtshalber unter eine Rotlichtlampe gelegt – nein, nicht was Sie jetzt denken, so ein Ding, was man sich sonst für die Gesundheit vor’s Gesicht hält. Na ja, es wäre ja auch zu schlimm gewesen, wenn die armen Brezelchen sich erkältet und uns dann zu allem Überfluss beim Verzehr auch noch angesteckt hätten. Vor allem bei den Mengen, die auf der Spiel jeden Tag verspeist wurden.
 
Ein wenig Abwechslung zum salzigen Backwerk boten die Crèpes-Stände, die zwar meist gut versteckt waren, aber dennoch oft gefunden wurden. Da hatte man viel Auswahl an süßen Schweinereien und das zu Preisen, wie man sie sonst vom Weihnachtsmarkt kennt. Wirklich lecker, aber leider auch nichts für jeden Tag. Da musste man dann eben an den kleinen Kaffee-Ständen die sonstigen Leckereien probieren. Wenn die jetzt auch noch ein paar herzhafte Snacks im Angebot gehabt hätten, die nicht auf Laugenbrezeln basieren, dann wäre zumindest eine Grundversorgung schon mal hergestellt gewesen. Wasser gab’s ja schließlich auf dem Lokus für lau.
 
Von einem erfahrenen Messebesucher erhielt ich dann noch einen ganz besonderen Getränketipp: Wenn man Lust auf ein gekühltes Getränk hat, solle man sich doch einfach ein Slush-Eis kaufen und warten bis es geschmolzen ist. Das ist schön kalt, geschmacklich abwechslungsreich und noch dazu erheblich billiger als die Apfelschorle am Imbissstand. Apropos Imbissstand – ist Euch eigentlich aufgefallen, dass man den jetzt mit drei S schreiben muss? Sieht doof aus, ist aber so. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Sich vier Tage lang auf der Messe zu verpflegen ist nicht nur wenig abwechslungsreich sondern auch noch reichlich teuer. Da sollte man dann doch lieber Schnittchen schmieren und am Ende zwei Neuheiten mehr mitnehmen.

 
Das Fazit:
Auch in diesem Jahr war die Spiel wieder gut besucht und bot reichlich Auswahl an reizvollen Neuheiten. Egal ob groß oder klein, jeder hat seinen Spaß gehabt – und das dürfte sowohl für die Besucher als auch für die Verlage gelten. Es war also Klasse und man darf sich wohl schon jetzt auf die Spiel 06 freuen, wenn all die schönen Fußballspiele, die man uns im Frühjahr in Nürnberg präsentieren wird, für kleines Geld verhökert werden und es wieder eine Vielzahl von phantastischen Neuheiten geben wird!
 
Bis dahin verbleibt mit einem dreifachen "Gut Spiel!",
Euer Fidelio Federspitz



Besuchermeinungen
Aussergewöhnlich (5 Sterne) Feine Feder, die Freiherr Fidelio so freimütig führt!

Auch wenn so ein Artikel zwangsläufig nur einen Bruchteil des Trubels in Essen heranführen kann, ist es doch eine Wonne die kleinen Neckereien (und Wahrheiten - was sich nicht gegenseitig ausschliesst) zu lesen.

Weiter so! :D
von Arne Reuter
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