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Spiel 05 Kompakt – Teil 1 des Messerückblicks von Fidelio Federspitz
von Jan-Hendrik Strenzke
28. November 2005

Liebe Leserinnen und Leser,
alle Jahre wieder heißt es, der Spielbranche gehe es nicht sonderlich gut, und dann kommt ein Ereignis, das diese Behauptung zu widerlegen scheint – die "Spiel" in Essen. Auch in diesem Jahr präsentierten die großen Verlage auf der Messe wieder eine Reihe interessanter Neuheiten und die kleineren Spieleschmieden zeigten, dass sie vom Niveau her problemlos mithalten können. Oftmals sind ihre Entwicklungen sogar von noch mehr Liebe zum Detail geprägt, auch wenn sie dadurch nicht immer die breite Masse ansprechen. Am Angebot kann es also eigentlich nicht liegen und bei der Nachfrage können wir alle gemeinsam helfen, indem wir unser Hobby nicht nur betreiben, sondern auch aktiv andere dafür begeistern. Aber Ihr habt diesen Artikel sicher nicht aufgerufen, um spielepatriotrische Reden zu vernehmen, sondern um mehr über die Spiel 05 zu erfahren. So sei es denn auch! Mit gewohnt spitzer Feder blicke ich nun zurück auf vier tolle Tage in Essen.

Piraten, Drachen oder Fußball?

2004 stand die Spiel ja eindeutig im Zeichen der Totenkopfflagge. In diesem Jahr ist es da schon etwas schwieriger, ein bestimmendes Thema zu finden. Auch wenn wir uns im Vor-WM-Jahr befinden, regierte König Fußball noch lange nicht auf der Spiel. Natürlich gab es eine Reihe von Spielen zu diesem Thema, vom Klassiker „Tip Kick“ über eine Neuauflage des mäßig erfolgreichen Kartenspiels „Finale“ (diesmal unter dem Namen „Tooor!“ und um eine Frauenmannschaft ergänzt) bis hin zu Neuheiten wie „Fußball Taktik 2006“. Doch so richtig hatte das WM-Fieber die Spiel dann doch nicht ergriffen – das wird dann wohl Nürnberg im nächsten Jahr vorbehalten bleiben.

Auch das Trendthema des letzten Jahres – die Seefahrt – war wieder breit vertreten, wenn auch oftmals weniger räuberisch geprägt. So präsentierte Days of Wonder zwar eine sehr ansprechende Neuauflage von „Piratenbucht“, doch ansonsten verlief die Seefahrt eher friedlich und durch Handel geprägt. Zumindest wenn man denn einmal von den ganzen Restbeständen aus dem Vorjahr absieht, die sich natürlich noch in hinreichender Menge wiederfanden. Ansonsten konnte man bei Spielen wie „Oltre Mare“ beinahe ganz friedlich den Mittelmeerraum besegeln und sich dabei eine goldene Nase verdienen. Etwas weniger Pulverdampf, dafür mehr für die Krämerseele in uns allen.

Doch auch für abenteuerlustige hatte die Spiel jede Menge zu bieten, denn auch nachdem Tolkiens „Herr der Ringe“-Trilogie die Kinos wieder verlassen hat, geht der Trend zur Phantastik weiter. Insbesondere die geflügelten Feuerspeier hatten es den Spieleentwicklern in diesem Jahr angetan. So konnte man auf Drachen reiten und diese dabei mit spitzen Fingern über einen Rennparcour bewegen – natürlich mit allerlei Gehässigkeiten bewaffnet. An anderer Stelle kann man dann in sehr freier Interpretation der angelsächsischen Beowulf-Sage selber zum sagenhaften Drachen(be)kämpfer werden und auch viele der kleineren Verlage haben sich bei der thematischen Inspiration fleissig im Reich der Phantastik bedient. Von der klassischen Monsterjagd in finsteren Verliesen bis hin zum Fantasy-Pub war hier alles vertreten. Dieser erfreuliche Trend spiegelte sich auch in der wachsenden Beliebtheit von phantastisch geprägten Ständen wieder, an denen man nahezu alles finden konnte, sogar bis hin zum passenden Equipment für Live-Rollenspieler.

Wenn es auf der Spiel 05 ein Trendspiel gab, dann war das wohl „Sudoku“. Was dieser Name eigentlich bedeutet, haben wohl nur die wenigsten Messebesucher verstanden – und warum bald ein halbes Dutzend Verlage dieses Spiel im Programm hatten, haben wahrscheinlich noch weniger nachvollziehen können. Denn eigentlich handelt es sich ja lediglich um ein profanes Zahlenpuzzle, bei dem man die Zahlen von 1 bis 9 auf einem 9x9 Felder großen Plan so anordnen muss, dass in keiner Reihe und keiner Spalte Zahlen doppelt vorkommen. Da gab es dann Varianten mit einem Spielplan und Zahlenchips aus Plastik, die Dank eines Rahmens praktisch nicht verrutschen können, genauso wie Versionen aus Pappe, bei denen man mittels eines kleinen Rucklers am Tisch den Hirnakrobaten zur Verzweiflung treiben kann. Besonders brilliant erschienen die Mehrspielerversionen, bei denen Teams dann parallel am gleichen Puzzle arbeiten konnten – die schnellere Mannschaft gewinnt. Dennoch kann man dem Spiel an sich eine gewisse Faszination ja nicht absprechen, weshalb man diese Art von Rätsel mittlerweile von der „Bild“ bis zur „Welt“ in nahezu jeder mehr oder weniger anspruchsvollen Zeitung finden kann. Ob es sich lohnt, „Sudoku“ als Brettspiel zu kaufen? Deine Meinung ist nur einen Kiosk weit entfernt!

Ein weiterer bemerkenswerter Trend war die Digitalisierung der bisher doch eher traditionell geprägten Spielewelt. Wer nicht mindestens eine Spielanleitung auf CD hat, ist der Mode ja schon hinterher. Ach, am besten packt man gleich einen Teil des Spiels auf eine DVD, damit auch ja immer das Flimmern des Fernsehers zur gemütlichen Atmosphäre am Spieltisch beiträgt. Wo sind sie bloß hin die Zeiten, als ein Spielplan, ein paar Würfel und einige schlichte Figürchen mit etwas Phantasie zu einem stimmungsvollen Abend wurden? Aber man soll nicht lamentieren, das ist eben der Fortschritt. Irgendwie muss man ja auch die heutigen Kids – Kinder darf man die ja nicht mehr nennen, sonst ist man total uncool – wieder für das gesellige Miteinander begeistern, bevor sie sich endgültig isoliert am PC vom Rest der Welt abkapseln. Und zugegebenermaßen sind ja auch ein paar prima Spiele dabei rausgekommen, die sich moderne Technik zu Nutze machen – wenn man denn die Unsummen, die dafür verlangt werden, ausgeben will.

Im Gegensatz zum letzten Jahr hatte diese "Spiel" nicht das eine, alles dominierende Thema. Es war mehr die Vielfalt an Neuem und insbesondere an Phantastischem, die im Vordergrund stand. Doch natürlich gab es auch die zu erwartenden Ausbaustufen der Klassiker...

Was tut sich eigentlich gerade in Catan?

Verblüffenderweise präsentierte Kosmos mal wieder ein neues Spiel aus der Feder von Klaus Teuber, das in seiner fiktiven Welt Catan angesiedelt ist. Nachdem man im letzten Jahr mit Candamir das Leben der ersten Siedler miterleben konnte, waren die Bewohner diesmal schon ein wenig weiter fortgeschritten ihrer Entwicklung und haben mit Elasund ihre erste Stadt errichtet. Doch wie wird wohl die Zukunft für die tapferen Cataner aussehen? Wagen wir einen Blick in die Glaskugel! 2006 dürften sich wohl die gesellschaftlichen Strukturen in Elasund soweit entwickelt haben, dass es an der Zeit ist für „Freimaurer – die erste Gilde (von Catan)“, ein Spiel bei dem es darum geht, die Kontrolle über die Versorgung mit Steinen und Holz zu erlangen, um so zu bestimmen, wer seinen Einfluss in Catan ausdehnen kann. 2007 wird dann die chronologische Weiterentwicklung der Insel kurz unterbrochen, um pünktlich zur Verfilmung des kleinen Hobbits „Smaug – der erste Drache (von Catan)“ herauszubringen. Hierbei muss ein kleines Grüppchen heldenhafter Cataner völlig uneigennützig die Schätze aus dem (ersten) Drachenberg plündern. 2008 geht es dann regulär weiter mit „Styrk – die ersten Fürsten von Catan“, die mittels ihrer Städte und Ritter um die Königskrone wetteifern. 2009 findet die Saga dann ihr vorläufiges Ende mit der Catan-Edition von Risiko, dem Spiel, das Brettspieler und Tabletop-Strategen gleichermaßen an den Tisch fesseln wird. Die einen werden es aus Gewohnheit kaufen, um die Reihe komplett zu halten, und die anderen werden sich freuen, dass es endlich eine Risiko-Version mit Hexfeldern und fünf verschiedenen Landschaftstypen gibt. Für Irritationen sorgen lediglich ein paar Catan-spezifische Sonderregeln, wie zum Beispiel die zwei Bonusarmeen, die man für die längste ununterbrochene Nachschublinie erhält. Aber solche Kleinigkeiten stören die wahren Jünger Catans schon lange nicht mehr und so versinkt die Insel denn auch im Schlachtenchaos, das sie beinahe wieder auf ihren ursprünglichen Zustand reduziert. Und 2010 kann dann mit der Jubiläumsedition zum 15. Geburtstag des Klassikers die Neubesiedlung von Catan beginnen... Ob dieser Blick in die Glaskugel der Wirklichkeit entspricht, kann wohl nur die Zukunft zeigen. Sicher ist bei Kosmos nur eines: Wenn KlausTeuber draufsteht, dann ist auch Catan drin – und das ist gut so!

So, und hier endet nun Teil 1 des Messerückblicks. In Teil 2 werde ich mich dann noch mit ausgewählten Highlights von der Messe, der intensiven Schnäppchenjagd und mit einigen fragwürdigen Ernährungstipps befassen. Bis dahin viel Vergnügen mit den zahlreichen Rezensionen zu den Neuheiten auf dieser Seite!

Gut Spiel,
Euer Fidelio

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